Portrait
Harald Vogelsang: Der Selbstbeherrschte

Smart oder Knallhart? Harald Vogelsang, Chef der Haspa, gibt sich jedenfalls selbstkritisch und bedacht - eine Ausnahme in seiner Branche. Und auch finanziell steht sein Haus gut da: Mit 60 Millionen Euro Überschuss trotzt es der Krise.

HAMBURG. Wer den frischgebackenen 50-Jährigen trifft, wundert sich: Harald Vogelsang ist ein Banker, der zuhört und sich selbstkritisch gibt. Die Regel sieht bei Leuten seiner Profession dieser Tage anders aus. Die Ausnahme entfaltet ihre Wirkung durch ein spitzbübisches Lächeln, das perfekt zu Vogelsangs jungenhaftem Gesicht passt. Dabei trägt der promovierte Jurist, seit zwei Jahren Chef der Hamburger Sparkasse (Haspa), die Verantwortung für 5 450 Mitarbeiter, zwei Mio. Sparkonten und fast 26 Mrd. Euro an Kundenkapital.

Die leicht ergrauten Haare korrekt gescheitelt, tritt der schlanke Hamburger im dunklen Anzug und dezent gestreifter Krawatte auf. "Ein klassischer Hanseat", sagt sein Stellvertreter Reinhard Klein, der im Haspa-Vorstand das Privatkundengeschäft leitet. Der Chef sei sehr diszipliniert und verbindlich. "Knallhart" fällt dagegen Kollegen ein, die deshalb lieber anonym bleiben wollen.

Gestern Morgen durfte Sparkassenchef Vogelsang in seine Lieblingsrolle schlüpfen und den Sonnyboy geben, der im sechsten Stock der Sparkasse vor blauem Himmel und winterlicher Sonne glänzende Zahlen vorlegte - trotz Finanzkrise. 60 Mio. Euro Jahresüberschuss erwirtschaftete die größte deutsche Sparkasse 2008. Davon zahlte das Institut fast zehn Mio. Euro freiwillig an Kunden zurück, denen die Bank Zertifikate der US-Pleitebank Lehman verkauft hatte.

Die Ironie ist: Vogelsang braucht gar keine guten Zahlen. Selbst mit Miesen in der Bilanz wäre sein Spitzenjob samt Jahressalär vor rund einer Mio. Euro nicht in Gefahr: Der Haspa-Chef beherrscht sich selbst, steht der Finanzholding als Mutter der Haspa und anderer Unternehmen genauso vor wie der Sparkasse.

Die Konstruktion ist bundesweit einmalig und beruht auf der historischen Besonderheit einer "Gesellschaft alten hamburgischen Rechts". An dieser Bastion kaufmännischer Eigenständigkeit aus dem Jahr 1827 beißt sich auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) die Zähne aus - juristisch hat die Politik in Hamburg im Gegensatz zu anderen Kommunen keinen Zugriff auf die Sparkasse.

Angst macht die Haspa den krisengeschüttelten Sparkassen im benachbarten Schleswig-Holstein. Sie fürchten Übernahmen. Denn Vogelsang will expandieren. "Unser Geschäftsgebiet endet nicht an den Stadtgrenzen. Wir begleiten unsere Kunden auch ins Umland, wo sie wohnen oder hinziehen", sagt der Hamburger. Den Begriff legt er weitläufig aus - er wirbt auch in Bayern.

Harald Vogelsang

1959 Harald Vogelsang wird am 21. Januar in Hamburg geboren.

1978 Banklehre bei der Commerzbank

1980 Jurastudium an der Universität Hamburg

1986 Berufsstart bei der Hamburger Sparkasse

1999 Leiter der Vetriebsregion Süd

2000 Privatkundenvorstand

2007 Vorstandssprecher der Haspa Finanzholding und der Hamburger Sparkasse, Präsident des Hanseatischen Sparkassen- und Giroverbandes

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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