Positive Aussicht
Bill Gates sagt Welt ohne Armut voraus

Laut Microsoft-Gründer Bill Gates sind in 20 Jahren nur noch wenige Länder arm. Die Vorstellung, dass arme Länder zur Armut verdammt seien, sei ein Mythos. Er warnte aber gleichzeitig vor überzogenen Erwartungen.
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SeattleDie Geißel der Armut wird aus Sicht von Bill Gates in spätestens 20 Jahren so gut wie besiegt sein. Er sei so optimistisch, diese Vorhersage zu machen, schrieb der Multimilliardär in dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht seiner Stiftung. „Bis 2035 wird es fast keine armen Länder mehr in der Welt geben“.

Derzeit gebe es drei Mythen, die Fortschritte bei der Bekämpfung von Elend und Krankheit behinderten: Die Vorstellung, dass arme Länder zur Armut verdammt seien. Die Haltung, wonach Entwicklungshilfe eine Verschwendung sei. Und die Meinung, das Retten von Menschenleben führe zu Überbevölkerung.

„All diese drei spiegeln eine düstere Sicht auf die Zukunft wider, eine Sicht, wonach sich die Welt nicht verbessert, sondern arm und krank bleibt und immer voller wird“, hieß es in dem 16 Seiten starken Brief der Bill & Melinda Gates Foundation weiter. „Wir nehmen aber den gegenteiligen Standpunkt ein, dass es der Welt bessergeht, und dass es ihr in zwei Dekaden noch bessergehen wird“.

Dabei verwies Gates auf Länder wie China, Indien, Brasilien und Botsuana, die einst als Sorgenkinder der Armut galten, heute jedoch Wirtschaftswachstum verzeichneten. Und in Afrika, das allzu oft als hoffnungslos beschrieben werde, sei die Lebenserwartung seit den 1960er Jahren trotz der HIV-Epidemie gestiegen. Mehr Kinder gingen inzwischen zur Schule und weniger Menschen litten Hunger, erklärte Gates.

Der Mitbegründer von Microsoft wandte sich zudem gegen Kritiker der Entwicklungshilfe, die aus deren Sicht zu teuer sei, in den Taschen korrupter Beamter lande oder die Empfängerländer in die Abhängigkeit treibe. Norwegen sei das weltweit großzügigste Geberland und doch mache der Umfang der Finanzhilfen des Landes nur drei Prozent seines Budgets aus, schrieb Gates. Im Fall USA seien es gar weniger als ein Prozent oder rund 30 Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro) pro Jahr. Von dem Geld flößen elf Milliarden in Impfungen, Moskitonetze und andere Entwicklungsprojekte.

„Gesundheitshilfe ist eine phänomenale Investition“, erklärte Gates. „Wenn ich mir anschaue, wie viel weniger Kinder sterben als noch vor 30 Jahren, und wie viele Menschen heute länger und gesünder leben, macht mich das mit Blick auf die Zukunft ziemlich optimistisch“.

Seine Frau Melinda äußerte sich in dem Brief zu Befürchtungen einer Überbevölkerung der Erde im Falle verstärkter humanitärer Bemühungen. Dazu zog sie das Beispiel Brasilien heran, wo die Kindersterblichkeit und zugleich die Geburtenraten gesunken seien. Wenn mehr Kinder überlebten, hätten Eltern kleinere Familien, erklärte Melinda Gates. „Menschen sind keine Maschinen. Wir pflanzen uns nicht ohne Sinn und Verstand fort. Wir treffen Entscheidungen auf Grundlage der Umstände, mit denen wir konfrontiert sind“.

Die in Seattle ansässige Bill & Melinda Gates Foundation gilt als die größte Wohltätigkeitsorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung vor 13 Jahren investierte sie 28,3 Milliarden Dollar in Hilfsprojekte.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • Bill Gates äußert nicht mehr und nicht weniger einen Wunsch, der seinem sozialen Engagement entspringt. Das ist gut so. Meines Erachtens ist aber dieser Wunsch weniger wissenschaftlich abgesicher und mit Fakten unterlegt als eine Wettervorhersage.
    Es fehlen, bezogen auf die Löung dieser riesigen komplexen Aufgabe, zuerst die exakten Definitionen, damit jeder weiß, wohin die Reise gehen soll, mit Begriffen wie:
    - der individuelle und der gesellschaftliche Reichtum eines Landes,
    - die ökonomische, kulturelle, ethische oder soziale Armut,
    - die allgemeine und individuelle Lebensqualität,
    - der notwendige Grad der Grundversorgung, gemessen am Anteil des Bruttosozialprodukts eines Landes,
    - der notwendige Grad der Verfügbarkeit, d.h. auch der dafür notwendigen Investition in einem Land
    - die moralischen und ethischen Kategorien, die die angestebte Entwicklung hemmen oder fördern,
    - die notwendige Begeisterung, d.h. auch Manipulation oder Beeinflussung für dieses Ziel, usw., usw., usw..

    Erst wenn diese Begriffe und die daraus erwachsenden ökonomischen, kulturellen, sozialen, und ethischen Anforderungen geklärt sind, sollten wir mit Programmen und Zahlen jonglieren.

    Man könnte mich einen Pessimist nennen, aber ich bin doch eher ein „Realo“. Ich erinnere nur an die Aussagen des „Club of Rome“ und die weiterhin besehende, weltweit ungezügelte Verschwendung von Ressourcen. Eine Antwort auf all diese Fragen habe ich nicht. Vielleicht finden sich schlaue Menschen, die diese Komplexität zerpflücken und jedem seine überschaubare und machbare Aufgabe zuordnen.

  • Der Gates sollte Brechts Johanna lesen. Denn sein Wort ist nichts andesres, als der Aufruf auf das obere Schaukel-Brett herauf zu kommen. Die Spitze der Menschen-verachtung, wenn Ausbeuter so die Lippe spitzen.

  • @herrkon

    Danke Herr Herrkon, Sie sprechen mir in diesem Punkt aus dem Mund. Geld ist ein Lebensmittel.

    Ich möchte dem auch hinzufügen, dass die Eheleute Gates mit ihrem Vermögen aus Microsoft und Herr Buffett mit "seiner" Beteiligungsgesellschaft sehr viele Gute Dinge machen.

    In Deutschland aber sehe ich die Leute mit einem "Apple" durch die Gegend laufen, einer Firma mit einer schlimmen Fratze des Kapitalismus, die knallharte Erfolgsbedingungen an ihre Mitarbeiter stellt, die in China zu bedenklichen Konditionen produzieren lässt, die Produkte ganz bewusst auf Verschleiß produziert.

    Der normale Bürger in Deutschland kauft vollkommen unkritisch Produkte von Apple, sonnt sich in seiner Peergroup, um in der nächsten Sekunde in einem Forenbeitrag mit dem Finger auf die anderen zu zeigen.

    Ich hoffe sehr, dass es so bleibt, wie die Eheleute Gates es prognostizieren und die Grundversorgung der Menschheit wäre gesichert.

    Mir fehlt aber aus Erfahrung der Glaube daran.

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