Post-Chef
Frank Appel fordert das Glück heraus

Nun ist es endlich raus: Am Freitag hat Post-Chef Frank Appel die Verlobung seiner Finanztochter Postbank mit der Deutschen Bank bekannt gegeben und eine Beteiligung von knapp 30 Prozent an Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann verkauft. Das Gesellenstück des neuen Post-Chefs.

DÜSSELDORF. Auf dem Sommerfest für die Mitarbeiter, am Fuße des Post-Towers in den Bonner Rheinauen, war Frank Appel bereits eine Woche vorher die Anspannung anzumerken. Zwischen den Zeilen ließ der Post-Chef in seiner Rede an dem schönen Spätsommerabend durchblicken, dass er mitten in der Vorbereitung der entscheidenden Aufsichtsratssitzung stecke. Für die Mitarbeiter war klar, Appel will endlich das Thema Postbank vom Tisch haben. Der neue Mann an der Spitze der Post, der das schwere Erbe seines über eine private Steueraffäre gestolperten Vorgängers Klaus Zumwinkel angetreten hat, braucht endlich einen Erfolg.

Wie schwer muss es dem Chef von über 470 000 Postlern fallen, in dieser Situation den freundlichen Sportkameraden zu geben? Mit den schwerfälligen Rädern, die normalerweise seine Briefträger fahren, tritt Appel im Cross-Rennen gegen Peter Thomsen an. Das ist der „Olympiasieger der Post“, im normalen Leben DHL-Mitarbeiter aus der Paketvertriebsniederlassung Neumünster, seit den Olympischen Spielen in Peking aber Goldmedaillen-Gewinner im Vielseitigkeitsreiten. Gegen den Athleten hat der Chef keine Chance.

Doch auch eine Woche später, am vergangenen Freitag, als Appel vor der Presse mit Ackermann den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank verkündete, sah „der Mann nicht gerade wie ein strahlender Sieger aus“, meint der Hamburger Unternehmensberater Horst Manner-Romberg. Appel wirkte erschöpft und seltsam steif. Die harten Verhandlungen mit dem Deutsch Banker hatten wohl Spuren hinterlassen.

Andrea Kocsis, Vizechefin von Verdi und Post-Aufsichtsrätin, brachte es auf den Punkt: Der Verkauf des stabilen Ertragsbringers Postbank sei ein Kniefall vor den Interessen der Aktionäre. Denn prompt war der Kurs der Post-Aktie am Freitag gestiegen. Der Erfolg war damit sichtbar – wenn auch nur kurzfristig. Denn länger freuen kann sich wohl nur einer: Josef Ackermann. Der hat nun einen Fuß in der Tür bei der Postbank. Langfristig kann er sich sogar den Kaufpreis der Beteiligung von knapp 2,8 Mrd. Euro über die Mieteinnahmen der Post für die Nutzung der 850 Postbank-Filialen zurückholen. Denn der Mietvertrag soll sogar verlängert werden.

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