Post-Chef Klaus Zumwinkel
Wenig schmeichelhaft

Post-Chef Klaus Zumwinkel kannte früher nur Lob – jetzt wird er hart kritisiert. Doch ans Aufhören denkt er nicht: Als Kapitän will er nicht gerade dann von Bord gehen, wenn seinem Schiff der stärkste Sturm droht die Aufhebung des Briefmonopols.

MOSKAU. Kommt der russische Präsident Wladimir Putin? Oder ist es Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Moskau-Reise? Im zwölften Stock des Ararat-Hotels in Moskau brennt Holz im Kamin und 30 Journalisten aus Deutschland rutschen auf ihren Stühlen hin und her. Im Halbkreis rund um ein dunkles Sofa sitzend, den Blick aus dem Fenster auf Bolschoi-Theater und Kreml gerichtet, könnte die Atmosphäre im inszenierten Ambiente kaum gemütlicher sein, aber sie ist angespannt. Die zum Kamingespräch Geladenen warten auf Antworten, erwarten den Chef der Deutschen Post: Klaus Zumwinkel. Er will zu ihnen sprechen – lässt aber auf sich warten.

Zehn Minuten vergehen, dann schlendert er herein im grauen Jackett ohne Schlips. Er wollte über die Pläne der Post in Russland reden. Aber „die Dinge“ in Deutschland interessieren mehr. Kein Wunder: Die Post und damit ihr Chef stehen in der Heimat unter starkem Beschuss. Das Blatt hat sich gewendet. Lange Zeit war der Post-Chef erfolgsverwöhnt wie kaum ein zweiter Vorstandschef in Deutschland: Niemand führt einen Dax-Konzern länger als er, niemand gilt als besser vernetzt, niemand ist höher dekoriert. Er wurde als Sanierer der Bundespost bejubelt und für den Aufbau eines Weltkonzerns gefeiert. Eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht.

Doch mit einem Mal sind die Lobesreden verstummt – es hagelt Kritik: In einer Springer-Anzeigenkampagne wird der Post-Chef veralbert. Die Post stornierte Anzeigen beim Verlagshaus. Auf der Hauptversammlung des Konzerns schmähen Investoren Zumwinkel als Mann von gestern. Klaus Kaldemorgen von der DWS spricht öffentlich über „mangelnde Profitabilität und Taschenspielertricks“ bei der Bilanzierung. Die Aktie Gelb dümpelt seit dem Börsengang im Jahr 2001 mit wenigen Ausnahmen um ihren Ausgabekurs von 21 Euro herum.

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