Postbank
Ruhiger Verwalter im Niemandsland

Stefan Jütte soll die Postbank nach dem überraschenden Abgang von Wolfgang Klein in die Hände der Deutschen Bank führen. Bisher war der 63-Jährige Finanzvorstand, mit großen Strategieänderungen ist unter ihm nicht zu rechnen. Ein Stürmer war Jütte nie - zu seiner aktiven Fussballerzeit spielte er im defensiven Mittelfeld.

FRANKFURT. Manchmal kommen Chefposten völlig unvermutet - so wie jetzt der für Stefan Jütte. Mit 63 Jahren hatte der gebürtige Leipziger wohl eher auf das Ende seiner Berufslaufbahn geschaut als auf einen Aufstieg. Doch ab 1. Juli wird Jütte Vorstandsvorsitzender der Postbank.

Sein jetziger, fast zwei Jahrzehnte jüngerer Chef, Wolfgang Klein, hat aufgegeben: "Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Geschäftspolitik", so der Aufsichtsrat. Jetzt muss Jütte ran, bisher Kreditvorstand der Postbank, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft und Kleins Stellvertreter. Mit großen Strategieänderungen ist unter ihm nicht zu rechnen. Denn erwartet wird von Jütte vor allem eins: Die Postbank verwalten. Er soll sie auf dem bisherigen Kurs halten, bis die Deutsche Bank, die derzeit mit gut 25 Prozent der zweitgrößte Aktionär der Postbank ist, sich zum Volleinstieg entscheidet.

Jütte kennt die Postbank. Seit März 2000 sitzt er im Vorstand der kundenreichsten Privatkundenbank Deutschlands - wenn auch für ein Randressort, denn trotz Expansion steht das Firmenkunden- und Gewerbeimmobiliengeschäft mit seinen rund 30 000 Kunden in seiner Bedeutung weit hinter dem Privatkundengeschäft.

Seinen Bereich vertritt Jütte aber durchaus mit Selbstbewusstsein. Als der Brillenträger mit dem dunklen Seitenscheitel zum Beispiel vor knapp zwei Jahren vor einer Gruppe Journalisten in London sein Ressort erläutern sollte, preschte er im Beisein seines Vorstandschefs mit konkreten Prognosen über die Umsatzentwicklung seines Bereichs und dessen Anteil am Gesamtumsatz der Bank vor. Klein versuchte, diese wieder mühsam zurückzunehmen.

Jütte, verheirateter Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder, gilt als verbindlich und unaufgeregt. Er erledigt seine Aufgaben mit ruhiger Hand und Augenmaß - und ihn drängt es nicht ins Licht der Öffentlichkeit. So war das auch während seiner aktiven Fußballjahre, in denen er unter anderem als Vertragsamateur für Hannover 96 spielte. Das defensive Mittelfeld war sein Aktionsraum. Ein Stürmer ist Jütte nicht. Mit 63 Jahren schon gar nicht mehr.

Und genau so jemanden brauchen die beiden größten Aktionäre Deutsche Post und Deutsche Bank an der Spitze der Postbank: Mit dem Institut vertraut, doch ohne große persönliche Ambitionen. Einen Verwalter, keinen Innovator. Denn die Postbank steht im Niemandsland. Die Post ist zwar noch größter Aktionär, hat das strategische Interesse aber schon längst verloren. Die Deutsche Bank darf den Ton noch nicht richtig angeben. Es könnte bis 2012 dauern, bis sie das Zepter endgültig übernimmt. Es könnte aber auch schon ab diesem Herbst über ein öffentliches Übernahmeangebot so weit kommen.

Seite 1:

Ruhiger Verwalter im Niemandsland

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%