Poträt
Post-Chef Appel sortiert neu

Kaum hat Frank Appel den Chefposten der Deutschen Post übernommen, muss er viele Personalien klären, und zwar schnell. „Auf Appels Tisch liegt ein Stapel von Personalakten, der nun zügig abgearbeitet wird“, ist aus Vorstandskreisen der Post zu hören. Hermann Ude gilt als Favorit für die Logistik. Bleibt Briefvorstand Jürgen Gerdes nun doch?

DÜSSELDORF. Ganz oben liegt die Akte Logistikvorstand, die Position, die bislang Appel bekleidete. „Der Neue kommt aus der Sparte“, heißt es in den Kreisen. Als Kandidaten werden daher die drei Bereichsvorstände aus der zweiten Reihe gehandelt: Hermann Ude (LKW-Spedition), Chris Fahy (Luft- und Seefracht) sowie Bruce Edwards (Kontraktlogistik). Als Favorit gilt Ude (46), der seit 1998 bei der Post arbeitet und zum Konzernstab von Klaus Zumwinkel gehörte, der wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung als Vorstandschef zurücktrat. „Es läuft wohl auf Ude hinaus“, sagt jedenfalls der Hamburger Berater Horst Manner-Romberg.

Appel und Ude sollen sich sehr gut verstehen. Kein Wunder: Beide kommen von der Unternehmensberatung McKinsey, wie auch Zumwinkel und weitere Post-Vorstände. Das gilt als Sprungbrett für eine Post-Karriere. Der Chemiker Appel und der Betriebswirt Ude gelten zudem als Zumwinkels Zöglinge. Ob dies ein Vorteil ist, muss sich allerdings noch erweisen. Fahy und Edwards gelten dagegen eher als „Männer der Praxis“. Beide haben lange Erfahrungen in der Logistikbranche.

Auf den künftigen Vorstand der Sparte mit einem Umsatz von 22,7 Milliarden Euro kommt viel Arbeit zu. Denn auch innerhalb des Bereichs wird alles neu sortiert. Es wird diskutiert, die Betreuung der internationalen Großkunden (Global Customer Services) zur Chefsache zu erklären. Appel wird sich also wohl um die 200 Top-Kunden des Konzerns kümmern. Das in der Logistiksparte geführte, internationale Briefgeschäft könnte aber wieder zur Briefsparte zurückkehren. Damit würde Appel ein wichtiges Signal geben: Briefvorstand Jürgen Gerdes (44) wird aufgewertet. Denn es gibt Gerüchte über ein Zerwürfnis von Appel und Gerdes, das bis zur Trennung führen könnte. Zwar seien beide schon allein von der Erscheinung her grundverschieden, hier der schlanke Zwei-Meter-Mann Appel, dort der vollschlanke „Mann von der Basis“. Doch seien die Gerüchte blanker Unsinn, sagte ein Post-Sprecher.

Am Dienstag musste Appel aber vor den Mitarbeitern im Post-Tower klarstellen: „Ich mache mir keine Sorgen über das Briefgeschäft. Jürgen Gerdes macht einen hervorragenden Job. Wir arbeiten ganz eng zusammen, und ich kenne alle seine Pläne. Viele seiner neuen Ideen für das Briefgeschäft finde ich sehr spannend. Ich bin sicher, dass wir so im Wettbewerb auf dem Briefmarkt bestehen werden.“ Der Beginn einer Freundschaft sieht anders aus.

Mit dem Wechsel Appels an die Spitze des Konzerns ist der Generationswechsel im Vorstand fast abgeschlossen. Zumwinkels alte Weggefährten haben längst jüngeren Managern Platz gemacht. Auch Zumwinkels Kommunikationschef Manfred Harnischfeger wird die Post nun vermutlich verlassen. Sein Vertrag läuft Ende 2008 aus. Dann ist er 64 und möchte als freier Berater arbeiten.

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