Präzedenzfall
Wenn Berater patzen

Dass sich Unternehmensberater als Nieten entpuppen, kommt durchaus vor. Doch dass Unternehmer sie dafür auch zur Rechenschaft ziehen, passiert fast nie. Doch liefern Berater objektiv Schund ab, sind Gerichte neuerdings auch bereit, das abzustrafen.

DÜSSELDORF. So wie kürzlich das Oberlandesgericht Düsseldorf im Falle einer Krefelder Unternehmensberatung: Die Richter wurden ziemlich scharf und stellten eine Reihe von Mindestanforderungen an die Qualität von Beraterleistungen auf. Und schlugen damit dem Berater seine Honorarforderung um die Ohren. Die Richter urteilten, dass „eine Aneinanderreihung von Selbstverständlichem“ nicht der „geschuldeten detaillierten Anleitung zur Umsetzung von konkreten Verbesserungsvorschlägen in die betriebliche Praxis“ entspricht (Aktenzeichen I-15 U 117/04). Leerformeln wie „angemessener Umsatz“ genügen nicht. Der Bericht muss eine Ist- und eine Schwachstellen-Analyse enthalten. Ganz konkret müssen Verbesserungsvorschläge für die Finanzierung vorkommen plus einer Anleitung, wie diese Maßnahmen umzusetzen sind.

Was ganz wichtig ist: Hat der Unternehmenslenker dem Berater unterschrieben, dass er seine Leistung erhalten hat und mit der Rechnung einverstanden ist, so heißt das eins nicht: Dass er die Beraterrechnung bezahlen muss oder sein Geld nicht zurückfordern kann, wenn dessen Leistung nicht stimmte.

„Dieser Präzedenzfall macht es Unternehmen leichter, sich vor schwarzen Schafen der Branche zu schützen“, urteilt Kai Haake, Justiziar beim Bund der Unternehmensberatungen BDU. Auch in zwei weiteren Fällen kam es zu Urteilen der Gerichte: Vor knapp drei Jahren hatte das Oberlandesgericht Celle die Honorarklage der Real Consultant damit abgewiesen, dass „eine einfache Beschreibung augenfälliger Tatsachen“ weder dem Unternehmen hilft, noch den Grundsätzen der Betriebswirtschaftslehre entspricht. (Aktenzeichen 16 U 199/02).

Das hatte Folgen: Ihr wichtigstes Kapital, das Renommee beim Kunden, war durch den Prozess und die schlechte Presse praktisch vernichtet. Die Unternehmensberatung geriet in Zahlungsschwierigkeiten, inzwischen ist auch Insolvenz angemeldet. Ein weiteres Jahr davor hatte das Bezirksgericht Innsbruck die Klage einer deutschen Unternehmensberatung mit der Begründung abgelehnt, dass keine Firma für eine „völlig nutzlose und unbrauchbare Leistung“ zahlen muss (Aktenzeichen 18 C 874/00).

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