Pragmatiker mit guten US-Beziehungen
Porträt: José Manuel Durão Barroso

José Manuel Durão Barroso ist nun offiziell Kandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Eine europäische Vision und ideologische Grabenkämpfe sind dem konservativen portugiesischen Regierungschef fremd, er gilt eher als Pragmatiker. Der 48-jährige Jurist hat den Irak-Krieg unterstützt und setzt sich für bessere Beziehungen Europas zu den USA sowie höhere europäische Militärausgaben ein.

HB LISSABON. „Ich bin ein Reformer, kein Revolutionär, ein Politiker der Mitte, kein Fundamentalist der freien Marktwirtschaft“, sagt er über sich selbst. Angesichts des hohen Staatsdefizits unterzog er sein Land nach dem Amtsantritt vor zwei Jahren einer strikten Sparpolitik, um die Vorgaben des EU-Stabilitätspaktes wieder einzuhalten. Vor allem wegen seines pro-amerikanischen Irak-Kurses erhielt er von den Portugiesen bei den vergangenen Europawahlen allerdings einen Denkzettel. Doch in Europa scheint ihm der Posten an der Spitze der EU-Kommission nun sicher.

Der Portugiese ist der Kompromisskandidat, den er selbst nicht haben wollte. Im März sagte der dreifache Vater der französischen Tageszeitung „Le Monde“, der neue Kommissionspräsident solle nach seiner Kompetenz und Erfahrung in europäischen Fragen ausgesucht werden und nicht nach politischen Machtverhältnissen. Doch nach wochenlanger vergeblicher Suche der EU-Staats- und Regierungschefs geht seine Kandidatur nun genau darauf zurück: Diplomaten bezeichneten ihn als den „kleinsten gemeinsamen Nenner“, auf den sich die EU einigen konnte.

Rivalitäten zwischen Frankreich und Deutschland einerseits und Großbritannien andererseits hatten sowohl den belgischen Regierungschef Guy Verhofstadt als auch EU-Außenkommissar Chris Patten verhindert. Durão Barroso erfüllt die Bedingungen Frankreichs und Deutschlands: Er stammt aus einem Land, das sowohl der Euro-Zone angehört als auch alle wesentlichen politischen EU-Initiativen mitträgt. Zugleich hat er die Unterstützung der konservativen Mehrheitsfraktion im Europäischen Parlament, die nach ihrem Sieg bei der Europawahl keinen Liberalen akzeptieren wollte.

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