Praxisnahe Ausbildung
Aufwachen! Die Praxis ruft . . .

Wenn Hauke Schild in rund eineinhalb Jahren sein zweites Staatsexamen ablegt und als Anwalt arbeitet, ist er fast schon ein alter Hase.

HB DÜSSELDORF. Der 27-jährige Referendar hat dann bereits eine zehnmonatige Station in der kleinen Duisburger Sozietät Tegtmeyer hinter sich und wird die ganze Palette des anwaltlichen Handwerkzeugs kennen: Von Mandanten-Beratungsgesprächen über die Formulierung von Klageschriften bis hin zu Gerichtsauftritten.

Zu verdanken hat er das der Juristenausbildungsreform, die Mitte letzten Jahres in Kraft getreten ist: Durch sie verlängerte sich die Anwaltsstation, die vorher im Schnitt vier Monate dauerte, bundeseinheitlich auf mindestens neun Monate. "Das war der richtige Schritt", meint Schild, der nebenbei bereits bei Tegtmeyer jobbt. "So habe ich die Chance, mich richtig einzuarbeiten. Das bringt beiden Seiten nur Vorteile."

Eine praxisnahe Ausbildung, die auf den Berufsalltag vorbereitet - was eigentlich selbstverständlich sein sollte, war für Anwälte in der Vergangenheit eher die Ausnahme. Die Juristenausbildung war mit ihren langen Abschnitten bei Gericht, Staatsanwaltschaft und Behörden justiz- und verwaltungslastig und blendete völlig aus, dass 80 % aller Absolventen den Anwaltsberuf ergreifen. Immerhin rund 7 500 Junganwälte strömen nach Angaben des Deutschen Anwaltvereins (DAV) jährlich auf den gesättigten Rechtsberatungsmarkt.

"Mittlerweile hat auch der letzte angehende Jurist gemerkt, wie katastrophal es auf dem Arbeitsmarkt aussieht", sagt Mario Axmann, Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Stuttgart. "Die Referendare sind viel motivierter als früher. Was beim Anwalt gelernt wird, zählt neuerdings verstärkt zum Prüfungsstoff im zweiten Staatsexamen. Und wer einen guten Job haben will, muss heute nunmal ein Prädikatsexamen ablegen."

Während sich die Referendare über die neue Praxisnähe der Ausbildung freuen, stößt die reformierte Ausbildung in der Anwaltschaft auf geteiltes Echo. Bei den kleinen Sozietäten herrscht oft Ratlosigkeit: Was fängt man an mit einem Referendar, der nicht wie früher nur sporadisch reinschaut, sondern sich Anleitung und Betreuung wünscht? "Viele Kanzleien sind überfordert", hat Cord Brügmann, Geschäftsführer beim DAV, festgestellt. "Sie wünschen sich Leitlinien für die Ausbildung der Referendare." Er freut sich deshalb über das große Interesse der Kanzleien an der vom DAV im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten Anwaltsausbildung.

Die fünfzehnmonatige Zusatzausbildung, die größtenteils parallel zum Referendariat läuft, besteht zum einen aus einem Theorie-Teil in Kooperation mit der Fernuni Hagen und zum anderen aus der praktischen Ausbildung in einer Kanzlei, die nach detaillierten Leitfäden aus dem Handbuch des DAV verläuft. Am Ende erhält der Referendar ein Zertifikat. 800 Sozietäten haben sich bereits - kostenfrei - als Ausbildungsstätte registrieren lassen.

Seite 1:

Aufwachen! Die Praxis ruft . . .

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%