Preissetzung
Schlussverkauf: Feilschen gegen den Computer

Im Sommerschlussverkauf setzen die Einzelhändler auch dieses Jahr kräftig den Rotstift an. Während die einen "aus dem Bauch heraus" die reduzierten Preise festlegen, nutzen andere für ihre Rabattierungsaktionen ausgefeilte Softwareprogramme.

DÜSSELDORF. Das „Tom Tailer“-Poloshirt in hellblau für 13,99 Euro statt für 19,95 Euro, das „Esprit“-Hemd, blau casual, jetzt für nur noch 19,99 Euro. Zum Saisonende hat das Warenhaus Karstadt die Preise reduziert, als ob es nie ein Aus für den gemeinsamen Sommerschlussverkauf der deutschen Einzelhändler gegeben hätte. Auch die Bekleidungskette C&A nebenan lockt mit durchgestrichenen Preisen, und selbst Versender wie der Quelle-Ableger Madeleine versprechen aktuell Rabatte für Damenmode „bis zu 70 Prozent“.

Wie die neu kalkulierten Preise zustande kommen, gilt Außenstehenden als Rätsel. „Bauchgefühl“, beschreiben gestandene Einzelhändler gerne ihre angebliche Strategie. Ein Blick aufs Thermometer, ins eigene Lager und das Schaufenster des Wettbewerbers – fertig ist die Preisabschrift.

Was professionelle Filialisten – aus Furcht vor dem Argwohn der Verbraucher – lieber verschweigen: Bei vielen von ihnen bestimmt keinesfalls der Bauch, wie viel Rabatt der Kundschaft zum Saisonende gewährt wird, sondern messerscharf kalkulierend der Computer. „Wir können exakt errechnen, zu welchem Preis etwa ein rotes T-Shirt in Größe S in einer bestimmten Münchener Filiale für das Unternehmen den höchsten Ertrag bringt“, sagt Christoph Elsas, Geschäftsführer der Ravensburger Softwareschmiede Forseason.

Die Oberschwaben, die unter anderem Rewe, Kaufhof, Karstadt und die Süßwarenkette Hussel zu ihren Kunden zählen, sind keineswegs die einzigen Anbieter solcher Forecast- und Pricing-Systeme. Auch die Dortmunder Remira mit Kunden wie Hagebau und Segmüller, der NCR-Spinoff Terradata oder die Schweizer SAF unterstützen Einzelhandelsketten dabei, optimale Artikelmengen einzukaufen und anschließend zum richtigen Preis wieder zu verkaufen.

Als Grundlage dienen ihnen häufig Geschäftsverläufe aus der Vergangenheit, bei denen etwa der Einfluss von Werbung, Preissenkungen, Wetteränderungen oder Verkaufsstandorten untersucht wurde. „Die Zeiten des Testens sind vorbei“, berichtet Forseason-Chef Elsas, „die Nachfrage aus den Handelsunternehmen wächst erheblich.“

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