Pressestellen
Lieber Golfturniere organisieren

Viele Pressestellen der Unternehmen zerreiben sich im Tagesgeschäft. Ein Termin in Hamburg, Hintergrundgespräche mit Journalisten, dann den Reporter zurückrufen. Zeit zum Luftholen bleibt da kaum. Und oft vergessen die Presseprofis darüber, Strategien zu entwickeln.

DÜSSELDORF. Jörn Roggenbuck, Sprecher bei Siemens IT Solutions and Services in München, der IT-Sparte des Konzerns mit 43 000 Mitarbeitern, muss derzeit mehr Reisen als ihm lieb ist. Mal für einen Tag nach Manila, um Journalisten ein Call Center zu präsentieren. Dann ein Termin in Hamburg, um ein bundesweites System für den Verkauf von Bus- und Bahntickets per Handy vorzustellen. Tags darauf ein Termin in Berlin: Hintergrundgespräche mit Journalisten. „Da bleibt trotz mehrerer Mitarbeiter in der Pressestelle oft nicht genug Zeit, alle spannenden Themen aufzugreifen“, so Roggenburg. Gerne würde er die Schätze der österreichischen Siemens-Abteilung PSE beleuchten, einer Softwareschmiede, die seit kurzem Teil der IT-Sparte ist. Doch woher die Zeit nehmen?

So wie Roggenbuck geht es vielen Kollegen: Das Tagesgeschäft verschlingt das Gros der Ressourcen. Zeit zum Luftholen, zum Ausgraben interessanter Themen oder gar zur strategischen Planung der Unternehmenskommunikation bleibt nur selten. Dabei wäre diese Zeit nötig, damit die Presseprofis die Ziel erreichen könnten, die ihnen am wichtigsten sind: Das Imageprofil ihres Unternehmens schärfen und seine Bekanntheit systematisch ausbauen.

Sieben von zehn Pressestellen geben an, genau diese Ziele wegen mangelnder Ressourcen nicht erreichen zu können. Jede zweite erklärt ihr Scheitern zudem mit einem zu niedrigen PR-Budget, wie die Hamburger Kommunikationsagentur Faktenkontor durch die Befragung von 1 300 Mitarbeitern von Pressestellen ermittelte. Doch Öffentlichkeitsarbeiter, die vor allem ihren sparsamen Vorständen, knauserigen Controller und voll gepackten Terminkalendern die Verantwortung für die Misere zuschieben, machen es sich zu einfach, meint Jörg Forthmann, Geschäftsführender Gesellschafter bei Faktenkontor. Statt ihre eigentlichen Aufgaben wahrzunehmen und aus der Unternehmensstrategie eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln und umzusetzen, verzetteln sich viele Pressestellen schlichtweg. „Da wird mitunter das Golfturnier organisiert, das dem Vorstand so am Herzen liegt, und andere wichtige Arbeit bleibt liegen“, weiß Forthmann. Natürlich ist es schwer, einem Vorgesetzten einen solchen Sonderwunsch abzuschlagen. Trotzdem müssten sie es tun“, sagt Forthmann. „Heute müssen Pressestellen sehr präzise aufzeigen, was sie zum Firmenerfolg beisteuern.“

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