Preußen
„Erholung vor der Üppigkeit“

Zum Kundenstamm seines Werbeunternehmens, der McCann Worldgroup Deutschland, gehören auch wichtige Urlaubs- und Reisemarken, etwa Lufthansa, Condor, Frankreichs Touristikzentrale „Maison de la France“, Cathay Pacific oder die Kreuzfahrtflotte „Costa“. Sendlmeier verantwortet touristische Millionenetats und hat Fernweh-Claims abgesegnet wie „Wir lieben Fliegen“ (Condor) oder „There’s no better way to fly“ (Lufthansa).

Selbstverständlich könne er niemandem vorschreiben, keinen Urlaub zu machen, sagt der McCann-Chairman & CEO Sendlmeier, „aber ich mache keinen“, jedenfalls keinen klassischen dreiwöchigen Urlaub mit Strand am Tage und Piña Coladas am Abend.

Sendlmeier beharrt darauf, dass dies für ihn persönlich gelte und für alle anderen das Toleranzgebot Friedrichs des Großen: „Hier muss ein jeder nach seiner Façon selig werden.“ An dieser Stelle ist es schon deswegen nicht ganz unpassend, Friedrich II. zu erwähnen, weil wir uns erstens in Potsdam befinden und zweitens an einer historischen Persönlichkeit abarbeiten, mit der sich Helmut Sendlmeier gerade intensiv beschäftigt. Auch weil Friedrich II. für ein Preußentum steht, das dem geborenen Niederbayern, der in Hamburg aufwuchs, von Haus aus eher fremd war.

Das Interesse am Preußentum hat wesentlich seine Frau geweckt, die MDR- und NTV-Moderatorin Eve-Maren Büchner, die im preußischen Kernland Brandenburg aufwuchs. „Sie ist jetzt fasziniert von der bayerischen Lebensart“, sagt Sendlmeier, „mir hat’s umgekehrt das Preußische angetan. Ich grase die Schlösser ab, weil die Betrachtung mir immer wieder Anstöße bringt.“

Frau Sendlmeier umgekehrt weiß die Üppigkeit der bayerischen Lebensart und Küche zu schätzen, all diese Knödel und Schweinsbraten; der Hausherr, der gerne kocht, zieht Fisch vor, Kartoffeln und das Gemüse, das die märkischen Bauern auf den Potsdamer Märkten anbieten. Potsdam ist für seine Familie und ihn zur Redoute geworden, zum gut- bis großbürgerlichen Rückzugsraum jenseits der Heftigkeit des nahen Berlins, wo McCann in der Kulturbrauerei eine Dependance unterhält.

An den Wänden ihrer Potsdamer Wohnung hängen Stiche und Drucke von Schlössern und Residenzen jener brandenburgisch-preußischen Herrscher- und Adelsgeschlechter, die Theodor Fontane so kenntnisreich beschreibt. Wann immer es sich ergibt, besucht Sendlmeier die Hinterlassenschaften aus der Glanzzeit der Preußen – Herrenhäuser, Residenzen, Schlösser und Parkanlagen, die seit der Wende rund um Potsdam neu hergerichtet wurden. In Schloss und Park Sanssouci verweilt er gern, spaziert aber ungern. „Seit 30 Jahren habe ich keinen Sport mehr getrieben“, sagt grinsend und selbstbewusst einer, der in jungen Jahren ein leidenschaftlicher Basketballer und Mittelstreckenläufer war. „Jogger haben Knieprobleme. Ich nicht.“

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