Primus der Finanzwelt
Von der Bronx nach ganz oben

Bei Goldman wie bei den meisten anderen Investmentbanken bilden beide Geschäftsbereiche seit jeher eine oft spannungsgeladene Allianz von Handel und Investment-Banking. Sollte der US-Senat dem Wechsel des Investmentbankers und exzellenten Repräsentanten Paulson an die Spitze des US-Finanzministeriums zustimmen, übernimmt mit Blankfein nun wieder ein Händler das Goldman-Zepter. Stimmen aus dem Unternehmen wollen daraus keine Machtverschiebung zwischen den beiden Lagern ableiten. Schließlich stammten auch andere Goldman-Leiter wie Robert Rubin, der ebenfalls später US-Finanzminister wurde, und John Corzine aus dem Handel.

Doch der Aufstieg Blankfeins, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Paulson für seinen selbst-ironischen Humor bekannt ist, symbolisiert den Aufstieg des Wertpapierhandels im US-Bankgeschäft insgesamt. Andere Investmentbanken folgen zunehmend dem Beispiel von Goldman Sachs. Die Bank baute, mitinitiiert von Blankfein, frühzeitig den Wertpapierhandel aus, vor allem den Eigenhandel mit bankeigenem Geld. Inzwischen gehen auch die Konkurrenten Merrill Lynch und Lehman Brothers und sogar die traditionell risikoscheueren Häuser Morgan Stanley und Bear Stearns höhere Wetten auf eigene Rechnung ein.

Blankfeins Aufstieg passt in kein übliches Karrieremuster, sondern erinnert an den amerikanischen Traum "vom Tellerwäscher zum Millionär". Aufgewachsen in Sozialwohnungen, absolviert er als erster aus seiner Familie ein Universitätsstudium. Den Besuch der Eliteuniversität Harvard finanziert Blankfein mit Hilfe eines Stipendiums. Nach seinem Abschluss heuert der frisch gebackene Jurist im Jahr 1978 bei der inzwischen bankrotten Anwaltskanzlei Donovan, Leisure, Newton & Irvine an, wo er die Hollywood-Filmindustrie in einem Streit mit der US-Steuerbehörde vertrat. Nach einer "vorzeitigen Midlife-Krise", wie es Blankfein selbst im Gespräch mit der US-Zeitung "Wall Street Journal" nannte, hängt er die gemütliche Anwaltskarriere 1981 an den Nagel und strebt an die Wall Street. Doch Goldman Sachs lehnt zunächst seine Bewerbung ab. Der Einstieg gelingt Blankfein schließlich durch die Hintertür - über den Goldhändler J. Aron, der von Goldman übernommen wird - zum Leidwesen seiner Partnerin: Sie weint, als sie erfährt, dass Blankfein ins Haifischbecken der US-Finanzbranche geworfen wird.

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