Primus der Finanzwelt
Von der Bronx nach ganz oben

Bis vor wenigen Jahren kannte Lloyd Blankfein außerhalb von Goldman Sachs kaum jemand. Das soll sich ändern. Mit dem neuen Chef der Investmentbank erhält die gesamte US-Finanzbranche ein neues Aushängeschild.

NEW YORK. Einige lieb gewordene Gewohnheiten hat Lloyd Blankfein, der neue Chef der Investmentbank Goldman Sachs, bereits abgelegt: Als Leiter der Wertpapierhandelssparte schlenderte Blankfein gerne in Socken durchs Büro. Damit war Anfang 2004 Schluss, als Blankfein zur Nummer zwei der Bank aufstieg.

In Vorbereitung auf den Top-Job rasierte Blankfein auch seinen Vollbart ab und hungerte sich 50 Pfund von den Rippen. Künftig wird der am Freitag gekürte Vorstandschef und Chairman der wohl am meisten beneideten Investmentbank der Welt auch seine Beine nicht mehr so ungeniert auf den Tisch legen, wie er das bis zuletzt gerne tat. Den 51-jährigen, eher klein gewachsenen Mann mit der Halbglatze kannte bis vor wenigen Jahren außerhalb von Goldman Sachs kaum jemand. Anders als sein Vorgänger Henry "Hank" Paulson arbeitete Blankfein nicht als Investmentbanker für die Crème de la Crème der US-Industrie. Stattdessen diente sich der Sohn eines Postsortierers aus dem ruppigen New Yorker Stadtteil Bronx als Kundenbetreuer in der Handelsabteilung hoch. Die Händler, die selten ihre Großraumbüros für Kundenbesuche verlassen, gelten an der Wall Street als hemdsärmelige Gesellen.

Mit Blankfein erhält nicht nur Goldman Sachs, sondern die gesamte US-Finanzbranche ein neues Aushängeschild. Denn die vom deutschen Auswanderer Marcus Goldman 1869 gegründete Bank genießt inzwischen eine Ausnahmestellung in der Branche, begründet in ihrer Profitabilität und der Konzentration auf das so genannte institutionelle Geschäft mit Firmenkunden, Regierungen und sehr vermögenden Privatpersonen. "Die Welt schaut auf Goldmans Chef als eine Art obersten Sprecher der Wall Street", sagte der Historiker Charles Geisst der Zeitung "Financial Times". Als einzige US-Investmentbank hält Goldman bis heute ihre Zentrale in unmittelbarer Nähe zur Wall Street, an der Broad Street. Nur die Deutsche Bank hat ihren US-Hauptsitz an der legendären Straße selbst.

Früher schauten die Investmentbanker auf ihre Kollegen im Handel herab. Doch das hat sich geändert. Goldmans wichtigste Handelsabteilung FICC (Anleihen, Währungen und Rohstoffe), die Blankfein seit ihrer Gründung im Jahr 1997 bis 2004 direkt leitete, erzielte im vergangenen Jahr Einnahmen in Höhe von 8,5 Mrd. Dollar. Das war mehr als doppelt so viel wie die 3,6 Mrd. Dollar, die das Investment-Banking einfuhr.

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