Principal-Agent-Theorie
Noch eine Schippe drauf

Wissenschaftliche Studien beweisen: Vorstandsbezüge steigen erst recht, wenn sie veröffentlicht werden. Deutsche Vorstände müssen deshalb neue Transparenz-Regeln nicht fürchten. Und wenn man endlich so viel verdient wie der Vorstandskollege, muss man sich auch nicht mehr rechtfertigen.

DÜSSELDORF. Ein Gespenst geht um in deutschen Vorstandsetagen: Es ist die Angst, bald gelistet zu sein wie die amerikanischen Kollegen. Und zwar für jedermann einsehbar im Internet wie hier: » www.aflcio.org/corporatewatch/paywatch/ zeigt die genauen Bezüge der einzelnen Vorstände börsennotierter US-Unternehmen. Nachdem auch hier zu Lande das Gesetz über die Offenlegung der Vorstandsvergütungen verabschiedet ist, steht einer solchen Datei auch über Deutsche nichts mehr im Weg. Und mit dem Ende des Geschäftsjahres 2006 – also spätestens am Jahresende – könnten kritische Aktionäre, argwöhnische Journalisten und nörgelnde Ehefrauen der Vorstände genau nachlesen, was welcher Top-Manager verdient. Dann müssen diese also nicht nur vor der Öffentlichkeit rechtfertigen, warum sie so viel verdienen. Viel schlimmer: Sie müssen zu Hause erklären, warum sie nicht so viel Geld wie ihr Vorstandskollege kassieren.

Dabei sollten die Vorstände durch die neue Transparenz – so das Motiv des Gesetzes – eigentlich zu mehr Bescheidenheit gezwungen werden. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen, glaubt Ökonom Georg Stadtmann, Dozent an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Im Klartext: Die Führungsriege wird vielmehr das neue Instrument zu ihren Gunsten nutzen – und die Bezüge hochtreiben.

Stadtmann hat (Stichwort: Principal-Agent-Theorie) wissenschaftlich belegt, dass künftig bereits die Vorstände innerhalb eines Unternehmens ihre Gehälter vergleichen und ihre Leistungsbereitschaft davon abhängig machen, ob sie sich gerecht oder ungerecht bezahlt fühlen. Also ob sie zumindest so viel verdienen wie ihr Vorstandskollege. Der Aufsichtsrat wird folglich versuchen, deren Bezüge einander anzugleichen. Und das wiederum wird – so die Erfahrung – eher zu einer Erhöhung der niedrigeren Vorstandsbezüge führen als etwa zu einer Senkung der höheren. Allein schon um die ehedem besser bezahlten Vorstände nicht zu vergrätzen. Das Ergebnis: Das Durchschnittsgehalt steigt, und alle Vorstände – außer dem Vorsitzenden – verdienen ungefähr gleich viel.

Und was die Angelegenheit weiter verschärft: Künftig können die Vorstände ihre Entlohnung nicht nur intern, sondern auch extern vergleichen – mit den Top-Managern anderer AGs. Dies sieht der Corporate-Governance-Kodex sogar – pikanterweise – ausdrücklich vor: Der Aufsichtsrat soll das Gehaltsniveau der Vorstände „unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds“ festlegen.

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