Privatbank Sal. Oppenheim
Alfred Freiherr von Oppenheim: Bewahrer und Erfinder

Die Privatbank Sal. Oppenheim ist die größte europäische Bank in Familienbesitz. Diese Tatsache verdankt sie dem vielleicht letzten Grandseigneur der Hochfinanz, ihrem einstigen Chef Alfred Freiherr von Oppenheim. Wie der Bankier Oppenheim eine der ältesten Banken Deutschlands zu einer integrierten Vermögensverwaltungs- und Investmentbank formte.

DÜSSELDORF. „Ich bin nur ein Treuhänder, sie ist mir nur anvertraut“, sagte Alfred Freiherr von Oppenheim stets. Mit „sie“ meinte er das Bankhaus Sal. Oppenheim – die größte europäische Bank in Familienbesitz und eine der ältesten Banken Deutschlands. Gegründet anno 1789 in Bonn, siedelte Salomon Oppenheim junior das Unternehmen in Köln an, denn die Domstadt war damals nicht nur einer der bedeutendsten Bankplätze Deutschlands, vor allem gab das napoleonische Köln jüdischen Bürgern bis dato ungewohnte Freiheiten. Oppenheim nutzte sie wie kaum ein anderer, tauschte ausländische Sorten, vergab Kredite und handelte mit Waren. Das sollte jahrzehntelang das sehr einträgliche Hauptgeschäft bleiben.

Wem es gestattet ist, die Beletage der Bank für die Reichen und Superreichen der Republik zu sehen, dem fällt beim ersten Blick aus dem gläsernen Aufzug das freundliche, weltoffene Gesicht eines Gentlemans ins Auge. Ein kaum merkliches Lächeln, das auf dem Empfangstisch perfekt platzierte Foto Alfred Freiherr von Oppenheims. An vielen Stellen des sich ehrwürdig gebenden Hauses hat der Besucher den Eindruck, der Geist des früheren Chefs sei präsent.

Heute ist die fünfte Generation am Ruder, Alfreds einziger Sohn, Christopher Freiherr von Oppenheim, ist seit dem Jahr 2000 einer von heute vier persönlich haftenden Gesellschaftern. Die verschwiegene Bank beschäftigt mehr als 4 000 Mitarbeiter, zu der auch die Beschäftigten der BHF-Bank gehören, die Sal. Oppenheim vor drei Jahren übernahm. Das Vermögen, das die Privatbank verwaltet, beträgt rund 150 Milliarden Euro, Christopher Freiherr von Oppenheim betreut den zentralen Geschäftsbereich Vermögensverwaltung.

Als Alfred Freiherr von Oppenheim 1964 in die Führung eintritt, ist das Haus eine Produktbank für Kredit- und Wertpapiere und hat ein starkes Firmenkundengeschäft. Schritt für Schritt weitet Baron Oppenheim seinen Einfluss aufs Geschäft aus, wird zum Mittelpunkt der verzweigten Familie, zum vielleicht letzten Grandseigneur der Hochfinanz. Er ist es, der in den 90er-Jahren die Weichenstellung von der Universalbank deutscher Tradition zur integrierten Vermögensverwaltungs- und Investmentbank durchsetzte.

Wie kein anderes Ereignis demonstriert das, was bis heute „Operation Tintenfass“ genannt wird, die Qualität seines Managements. Im Jubiläumsjahr 1989 verkauft Baron Oppenheim die Colonia-Versicherung und damit den Teil des Kölner Geldhauses, der lange Zeit der eigentliche Wachstumstreiber war. Selbst Insider sind von dem Milliardendeal völlig überrascht.

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