Privatbankier
Olearius, der Feuerwehrmann des Nordens

Mehr als zwei Jahrzehnte hat Christian Olearius die Hamburger Traditionsbank M.M Warburg geprägt. Durch die Konzentration auf klare Schwerpunkte konnte er das Kerngeschäft der Bank stärken. Warum sich der Chef von M.M. Warburg trotz seines Erfolges um den schwindenden Einfluss der Privatbankiers sorgt.

HAMBURG. Trotz der robusten eigenen Position macht sich Privatbankier Christian Olearius Sorgen um seine Zunft. Es klingt paradox: „Derzeit rutschen wir durch das Rost der Politik. Privatbankiers haben dank ihres Erfolges keine Lobby in Berlin“, sagt der Chef von M.M. Warburg. Der 66-Jährige sieht langfristig eine Gefahr darin, dass „ausgerechnet ordentlich wirtschaftende Privatbankiers und solide kleinere Banken durch die staatliche Hilfe für große Institute, die in Schieflage geraten sind, im Wettbewerb benachteiligt werden.“

Mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze der Hamburger Traditionsbank haben Olearius in der Wolle gefärbt. Der geborene Schlesier ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Gesellschaft zwischen Alster und Elbe – ein Hanseat h.c. gewissermaßen, dessen Rat Politiker wie Unternehmer gleichermaßen schätzen. Als er 1986 Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter wurde, war das nicht selbstverständlich. „Der Wechsel ist mir anfangs schwer gefallen. Einige Wochen lang habe ich mit mir gerungen“, sagt der promovierte Jurist. Dann sei ihm klar gewesen: „Das musst Du anpacken. Auf diese Weise bin ich mit 44 Jahren Unternehmer geworden“. Selbst Konkurrenten attestieren der Bank in der Rückschau einen „ungeheuren Glücksgriff“.

Zuvor hatte Olearius eine Blitzkarriere in der norddeutschen Finanzszene hingelegt. Nach seinem Start als 27-Jähriger bei der Braunschweigischen Staatsbank übernahm er für zehn Jahre das Geschäft mit den Firmenkunden bei der Bremer Landesbank. 1981 wechselte der ehrgeizige junge Mann als Generalbevollmächtigter zur NordLB nach Hannover.

Kurz darauf zog Olearius in den Vorstand ein und fungierte fortan als Feuerwehrmann: Wo immer es in Niedersachsen brannte – etwa beim einst florierenden Schreibgerätehersteller Pelikan – der Banker war zur Stelle.

Die Sanierungserfolge erregten die Aufmerksamkeit des ebenfalls jungen Max Warburg: Das gleichnamige 1798 in Altona gegründete Bankhaus litt unter der Expansion bis in die indonesische Metropole Jakarta und Missgeschicken bei der Auswahl seines Spitzenpersonals. Olearius richtete die Bank neu aus, indem er das Kerngeschäft stärkte. „Wir haben uns auf Regionen beschränkt, die man von der Kirchturmspitze des Michels aus sehen konnte“, bringt es ein Weggefährte auf den Punkt. Anstelle sich im Massengeschäft zu verzetteln, setzte Olearius auf klare Schwerpunkte: Asset Management, Private und Investment Banking. Trotz der in den 90-er Jahren startenden Übernahmeserie von kleineren Bankhäusern wie Hallbaum in Hannover, Plump in Bremen und Löbbecke in Berlin, achtet Olearius auf Greifbarkeit. „Es gibt keine komplizierten Hierarchien wie bei einer Großbank“, berichtet einer der knapp 1 000 Mitarbeiter. „In dringenden Fällen gehen wir zum Chef rein.“

Der Erfolg gibt Olearius Recht. Das Geschäftsvolumen der Bankengruppe lag 2007 bei fast neun Mrd. Euro – beinahe fünfmal so hoch wie bei seinem Amtsantritt 1986. Der Jahresüberschuss vor Steuern und gewinnabhängigen Vergütungen betrug 63 Mio. Euro – fast 23 Prozent mehr als im Vorjahr.

Christian Olearius

1942: Geboren in Oberglogau (Schlesien). Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg, Berlin und Göttingen, Promotion zum Dr. jur., verheiratet, eine Tochter und einen Sohn.

1969: Braunschweigische Staatsbank, Braunschweig

1971: Bremer Landesbank, Staatliche Kreditanstalt Oldenburg-Bremen, Direktor des Firmenkundengeschäfts

1981: NordLB, Norddeutsche Landesbank Girozentrale, Generalbevollmächtigter, Mitglied des Vorstandes

1986: M.M.Warburg & CO Kommanditgesellschaft auf Aktien, Mitinhaber und Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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