Private-Equity-Branche
Tom Pütter - Gentleman in der zweiten Reihe

Andere mögen das Enfant terrible sein - Allianz-Capital-Partners-Chef Thomas "Tom" Pütter ist das Gegenteil. Am ehesten wird man dem 51-Jährigen wohl gerecht, wenn man ihn als den "Gentleman" der Private-Equity-Branche hierzulande bezeichnet. Nun wechselt Pütter trotz tadelloser Bilanz in die zweite Reihe des Unternehmens - und springt womöglich bald ab.

FRANKFURT. Jahrelang stand Pütter an der Spitze des Beteiligungsgeschäfts der Allianz. Jetzt wechselt der anglophile Manager trotz weitgehend tadelloser Bilanz überraschend in die zweite Reihe bei Allianz Capital Partners (ACP). Nicht nur die bösen Zungen in der Branche sprechen von Differenzen über die künftige Strategie - und fragen sich nun, ob Pütter auf Dauer noch dem Münchener Finanzkonzern die Treue halten will.

Ausgangspunkt ist der radikale Umbau des alternativen Anlagegeschäfts der Allianz. Die Münchener wollen alle Einzelgesellschaften - neben Private Equity eben Dachfonds, Infrastruktur und Erneuerbare Energien - auf ACP verschmelzen. Der neue Chefsessel wäre eigentlich wie gemacht für Pütter, der im vergangenen Jahrzehnt ohnehin die meisten der Aktivitäten aufgebaut hat und am Ende auch Co-Chef der darüber angesiedelten Allianz Alternative Assets Holding (AAA) war. Doch den Job übernimmt Karl Ralf Jung - während sich Pütter künftig von London aus laut Pressemitteilung "auf eigenen Wunsch" ausschließlich um Investments der Allianz kümmern will.

In Branchenkreisen heißt es, Pütter habe seit langem dafür geworben, ACP künftig auch für externe Geldgeber zu öffnen, sich aber nicht durchsetzen können. Dabei müsste es, glaubt man den Zahlen der Allianz, hierfür eigentlich große Nachfrage geben. Immerhin beziffert der Finanzkonzern die jährliche Rendite von Pütters Private-Equity-Geschäft auf über 30 Prozent - was natürlich keiner überprüfen kann.

Tatsache ist, dass selbst Konkurrenten anerkennen, dass Pütter schon vor Jahren extrem erfolgreiche Deals wie die Investments beim Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca und dem Gasehersteller Messer Griesheim angestoßen hat. Heute ACP unter anderem beim Druckmaschinenhersteller MAN Roland oder dem Fährbetreiber Scandlines engagiert.

Auch war es Pütter, der von 2005 bis 2007 die Spitze des Branchenverbands BVK übernahm und so inmitten der Heuschrecken-Debatte der damals einem Geheimdienst ähnelnden Industrie fast als einziger ein Gesicht verlieh und Stellung bezog. "Damals hat er viel gemacht, er war wirklich auf Mission", loben Rivalen. Andere kritisieren, Pütters Ego passe "kaum durch die Tür".

Tatsache ist, dass der Vater dreier Kinder, dessen Frau Engländerin ist, mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält. So geißelte er erst vor wenigen Monaten "Herdentrieb" und "Rücksichtslosigkeit" der Branche. Im persönlichen Umgang ist der stets wie aus dem Ei gepellte passionierte Jäger und Weinliebhaber hingegen äußerst galant und höflich - eben ein echter Gentleman. "Der kann auch 'Danke' sagen", heißt es über ihn intern.

Ganz gleich, wo Pütter mittelfristig wieder in der ersten Reihe auftaucht: Mit dem Rückzug anderer hochkarätiger Private-Equity-Manager wie etwa BC-Partners-Chairman Jens Reidel hat sein Schritt wohl wenig gemein. Pütter selbst hat mehrfach gesagt, er "esse, fühle, schlafe das Geschäft". "Für Rente ist der noch viel zu jung", sagt einer, der ihn kennt.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%