Problemsprache Deutsch
Modern Talking

Manager lieben Floskeln, Worthülsen und Anglizismen. Besonders in öffentlichen Reden soll das Eindruck machen. Falsch! Nur klare und einfache Worte verhindern teure Missverständnisse und steigern die Überzeugungskraft. Oftmals dient diese aufgeblasene Sprache nur der Ablenkung – und wirkt keinesfalls professionell.
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„Downsizen" wollte einst Siemens-Chef Klaus Kleinfeld Teile des Konzerns. Ihre weiteren „Rollout-Phasen" behält derweil die Metro-Führungsriege im Auge, während Hewlett-Packard mit der Media-Saturn-Gruppe einen „Outtasking-Vertrag" schließen konnte. Für reichlich Gesprächsstoff beim nächsten „Summer Outing" ist also gesorgt. Doch keine Angst: Wenn Sie der Chef demnächst zu einer solchen Veranstaltung einlädt, erwartet er keine öffentlichkeitswirksame, persönliche Stellungnahme. Sondern nur Ihre Teilnahme am Betriebsausflug.

Die Wirtschaftssprache ist durchtränkt von Floskeln, Anglizismen und schwer verständlichen Fachvokabeln. Es wird gefaselt, beschönigt und verfremdwortet, was das Zeug hält. Und jedes Jahr treibt das Wirtschaftskauderwelsch neue Blüten: Personalchefs heißen längst Human Resource Manager, Großkundenberater sind mittlerweile Key Account Manager und aus Bestattungsunternehmern wurden Funural Manager. Selbst Sanierungsprogramme bekommen vermeintlich kraftvolle Namen wie „Core" (Mercedes) oder „Power 8" (Airbus). Zwar forderte selbst Goethe einst, „fremde Wörter zu verschlingen, um so die deutsche Sprache zu bereichern". Aber ob „challengen", „backuppen" oder „downsizen" die Sprache wirklich bereichern?

Es geht dabei längst nicht nur um den Reichtum einer Sprache. Das Problem mit dem Schnöselkauderwelsch (für den es übrigens auch einen neudeutschen Fachausdruck gibt: Bullshit): Wer solche Lehn- und Modewörter zu oft und gedankenlos verwendet, wird kaum noch von seinen Mitarbeitern, Kunden oder Aktionären verstanden. Schlimmstenfalls fühlen sie sich verschaukelt.

Im Klartext: Rumpalavern und unklare Zielvorgaben führen zu Missverständnissen, Spekulationen und Fehlern, die für ein Unternehmen teuer werden können. Vor allem in Krisenzeiten. Kaum ein Mitarbeiter lässt sich heute noch durch nebulöse Sprechblasen täuschen - im Gegenteil: Sie schüren erst recht Misstrauen, wenn etwa von einem neuen „Entlohnungssystem" die Rede ist und jeder insgeheim ahnt, dass die Gehälter schon bald sinken werden. Gerade solche abstrakten Begriffe sind eine häufige Quelle von Gerüchten, die die Belegschaft verunsichern und die Arbeitsmoral senken.

Fast jeder Angestellte weiß heute instinktiv oder aus Erfahrung, dass Wortgeklingel häufig nur dazu dient, den wahren Sachverhalt oder negative Konsequenzen zu verschleiern. Zu viel Kauderwelsch senkt somit nicht nur die Überzeugungskraft desjenigen, der es verwendet - es nährt bei den Zuhörern zugleich den Zweifel, es mit einem Blender zu tun zu haben.

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