Produktentwicklung
Prototypen von der Platte

Die Produktentwicklung in der virtuellen Realität wird erschwinglich: Leistungsstarke Grafikkarten und günstige Speichermedien machen die interaktive 3-D-Software mittelfristig auch für den Mittelstand bezahlbar. Das eröffnet den kleinen Firmen Wettbewerbsvorteile.

BREMEN. Jonas Schmidt ist Softwareentwickler und Geschäftsführer der Berliner Datenflug GmbH - und er hat sich in den letzten Monaten intensiv mit Bergbau beschäftigt. Der Grund für Schmidts Interesse: Im Auftrag des Bergbauunternehmens K + S entwickelt Datenflug derzeit einen virtuellen Sprengbohrwagen. Mitte 2007 soll er in einem Schulungsraum in 800 Metern Tiefe zum Einsatz kommen - und zwar als Projektion auf den Wänden, an denen der Firmennachwuchs die Kali- und Salzgewinnung trainieren kann.

"Der virtuelle Sprengbohrwagen kann aber auch zur Weiterentwicklung der Maschinen für den nächsten Produktzyklus dienen", sagt Schmidt. Der digitale Bohrer bewegt sich ohne lange Testfahrten durch unwegsame Tunnel und reagiert auf neue Gesteinsformationen. "Diese Simulation gehört wohl zu den anspruchsvollen Aufgaben im Bereich der Virtuellen Realität", sagt der Datenflug-Chef stolz.

Simuliertes Gerät dieser Art kommt bei der Produktentwicklung immer häufiger zum Einsatz - vor allem bei der Konzeption neuer Produktgenerationen im Maschinenbau. Das Schlagwort heißt "VR" oder "Virtuelle Realität". Wo früher tagelang über großformatigen Ausdrucken und Modellen gebrütet wurde, können heute ganze Arbeitsabläufe und Belastungstests im virtuellen Raum schnell und kostengünstig durchgespielt werden. Fehlerquellen - die sonst über aufwändige Prototypen aufgespürt wurden - können so in einem Bruchteil der Zeit sichtbar gemacht werden.

Das lohnt sich: Die Tests an einem simulierten Motor bei Daimler Chrysler haben die Produktentwicklungsprozess von 16 auf eine Woche verkürzt. BMW will beim 7er-Modell eine Kosten- und Zeitersparnis zwischen 10 und 20 Prozent erreicht haben. "Der Maschinenbau lebt heute davon, dass er sehr früh damit begonnen hat, Produkte dreidimensional zu visualisieren", weiß Jonas Schmidt von Datenflug. "Jetzt machen viele Unternehmen den großen Schritt, mit den vorhandenen Daten reale Vorgänge zu simulieren."

Für Michael Resch, Direktor des Höchstleistungsrechenzentrums in Stuttgart, macht die deutsche Industrie einen Umbruch durch: "Wir befinden uns mitten in einem Prozess, bei dem Virtuelle Realität aus der Forschung in die Entwicklung läuft."

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