Produktion im Industriepark
Die Zulieferer als Nachbarn

Auch wenn die Schließung des Nokia -Werks in Bochum für Wirbel sorgt, das Konzept hinter dieser Maßnahme wird schon länger praktiziert. Die Finnen zieht es nach Rumänien, da dort die Zulieferbetriebe in unmittelbarer Entfernung zum neuen Werk produzieren - eine in der Autobranche bereits gängige Praxis. Nun stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit.

DÜSSELDORF. Was Nokia in Rumänien plant, haben Autohersteller längst umgesetzt: die Produktion mit kurzen Wegen zwischen Montage- stätte und Zulieferern. Bestes Beispiel ist - Stuttgart. Mit dem Aufstieg von Daimler entstanden rund um die Stadt Zulieferer wie Bosch, Mahle oder Behr. Und als Ende der 90er-Jahre VW nach China ging, folgten Zulieferer wie Continental mit Werken in Schanghai und Tianjin.

Experten nennen das Phänomen Zuliefererparks. "In der Automobilindustrie wird dieses Produktionskonzept schon seit zehn Jahren eingesetzt", sagt Axel Schmidt, Leiter Operations Strategy bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Nun folgt Nokia: Vorige Woche kündigte der Handyhersteller an, das Werk Bochum zu schließen und stattdessen auf die Fertigung in einem neuen Industriepark im rumänischen Cluj zu setzen. Dort werden Montage und Zulieferer nur wenige Kilometer voneinander entfernt sein.

Werden Zuliefererparks aus dem Automobilbau nun zur Blaupause für andere Branchen? Nach Einschätzung Schmidts kann sich dieses Konzept für andere Industrien durchaus lohnen. Prinzipiell gelte das für Unternehmen, deren Wertschöpfungstiefe unter 40 Prozent liege und die sehr hohe Stückzahlen fertigten - denn nur dann mache sich für Zulieferer die Ansiedlung in Parks bezahlt.

Was hinter dem Prinzip steckt, zeigen die Autohersteller: Sie haben ihre Wertschöpfungstiefe deutlich reduziert, beziehen fertige Module von Zulieferern und montieren nur noch. Gut 80 Prozent des Produktionswertes eines Autos stammt nicht mehr vom Hersteller. Konsequenz: Weil "just in time" gefertigt wird, können sich Hersteller lange Transportzeiten zu den Werken nicht leisten. Einzelne Teile müssen zwei bis drei Stunden nach Abruf beim Zulieferer am Montageband sein. Nähe ist nötig.

Im Zuliefererpark von Smart im lothringischen Hambach etwa haben sich Bosch, Magna, Thyssen-Krupp und VDO angesiedelt. In Hambach ist die gesamte Architektur mit dem Grundriss in Form eines Kreuzes ausgerichtet. Zulieferer und Hersteller befinden sich unter einem Dach - zwei Schenkel belegt Smart, zwei die Zulieferer.

Ähnliches schwebt Nokia vor: Die Finnen wollen unter anderem ihre Partner für Verpackung und Logistik direkt am Produktionsstandort ansiedeln. Im schnelllebigen Mobilfunkmarkt sei dies entscheidend, erklärte Nokia. So könne man bei sehr erfolgreichen Handymodellen schneller auf steigende Nachfrage reagieren, lautet die Argumentation.

Im Werk Bochum sei es in der Vergangenheit zu Lieferengpässen gekommen, ist in Konzernkreisen zu hören. In der Ruhrgebietsstadt habe Nokia seine Vorstellung von einem "industrial village" nicht umsetzen können: Das hohe Lohnniveau habe verhindert, dass Nokias Zulieferer sich dort ansiedelten.

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