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Beuys, ein Bobtail und der lachende Chinese

Inge Rodenstock hat gemalt, geschauspielert, Kolumnen geschrieben – und besitzt ein Haus voller hochkarätiger Kunst.

MÜNCHEN. Es gibt stille Örtchen, da ergreift man am besten gleich die Flucht. Und es gibt andere, da möchte man gerne länger verweilen. Zum Beispiel wenn man nebenbei Werke von Pablo Picasso bewundern kann, keine Poster, wohlgemerkt, sondern Lithografien und Handzeichnungen, dicht an dicht – die Gästetoilette als Minimuseum für das spanische Malergenie.

Wer selbst den kleinsten Raum des Hauses mit hochkarätiger Kunst bestückt, der muss sie im Überfluss haben. So wie Inge Rodenstock. Schon im Eingangsbereich ihrer hinter Efeuranken versteckten Münchener Villa weiß der Besucher nicht, wo er seine Tasche abstellen soll, ohne ein Kunstwerk zu beschädigen: Ein Riesenwerk von Cy Twombly bedeckt die gesamte Wandfläche.

„Ja, das war das erste Bild, das ich von Twombly gekauft habe“, sagt Inge Rodenstock mit dem Stolz der Sammlerin, die den Meister der Kombination aus abstraktem Pinselstrich, Schrift und Zeichnungen früh entdeckte. Damals, Ende der 60er, kostete das Gemälde nur 2 000 Dollar. „Das war aber für mich viel Geld.“ Heute bewegen sich die Preise für solche Werke im Millionenbereich.

Und so erzählt die zierliche, etwa 1,70 Meter große Witwe des 1997 verstorbenen Brillenfabrikanten und BDI-Präsidenten Rolf Rodenstock, wie sie zu dem Bild kam. Es war 1968, in Deutschland tobten die Studentenunruhen, als die Tochter eines schwäbischen Textilfabrikanten zum ersten Mal nach New York fliegt, zusammen mit dem Kölner Sammler Wolfgang Hahn.

Sie touren durch Galerien und Ateliers – und treffen einen Herrn mit dickem Portemonnaie. „Hallo, ich bin Peter Ludwig, ich mache Schokolade und bin aus Aachen, ich möchte gerne moderne Kunst sammeln“, beschreibt Inge Rodenstock auf ihre charmante, manchmal leicht schnoddrige Art, wie sie den Kunstmäzen kennen lernte.

Daraufhin zieht das Triumvirat durch die Ateliers aller damals aufstrebenden Künstler von Robert Rauschenberg über Jasper Johns bis Roy Lichtenstein – und Ludwig kauft. Es entsteht der Grundstock für die Pop-Art-Sammlung, die heute im Museum Ludwig in Köln zu sehen ist.

Und Inge Rodenstock entdeckt ihren ersten Twombly im Atelier des gebürtigen Amerikaners, der heute in Rom lebt.

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