PROFIL: Carl-Henric Svanberg wird Chef von Ericsson: Auf Nummer Sicher

PROFIL: Carl-Henric Svanberg wird Chef von Ericsson
Auf Nummer Sicher

Carl-Henric Svanberg ist Chef des größten Sicherheitskonzerns der Welt und sehr vermögend. Doch Svanberg will bei Ericsson den schwersten Job antreten, den die Branche zu vergeben hat.

STOCKHOLM. Warum tut sich der Mann das bloß an? Die Frage drängt sich auf, wenn man den durchtrainierten Carl-Henric Svanberg an seinem kleinen Rednerpult im Stockholmer Opernkeller beobachtet. Der Mann macht einen erholten Eindruck, so als sei er gerade aus dem Badeurlaub zurückgekehrt. Doch er sieht immer so aus: braun gebrannt, trotz seiner 50 Jahre nicht eine Falte, kein graues Haar.

Und nötig hat er es auch nicht, Schwedens heikelsten Job zu übernehmen. Mit einem Privatvermögen von über einer halben Milliarde Kronen (54 Mill. Euro) ist er nicht darauf angewiesen, den Chefposten des angeschlagenen, schwedischen Telekomkonzerns Ericsson anzunehmen. Doch das wird er tun. „Es war eine leichte Entscheidung“, sagt er mit einem gewinnenden Lächeln. „Ericsson ist eines der besten Unternehmen, das ich kenne, und ich werde alles tun, damit der Konzern wieder zu den Gewinnern zählt.“

Man ist geneigt, dem Mann zu glauben. Er strahlt Zuversicht, aber wichtiger noch, Willenskraft aus. Obwohl er erst am 8. April die Nachfolge von Kurt Hellström antritt und selbst von sich sagt, dass er noch viel über die Telekommunikationsbranche lernen muss, ahnt man bereits Durchsetzungsvermögen. Breitbeinig steht er hinter seinem Pult, gestikuliert mit seinen Händen, lächelt – man nimmt ihm ab, dass er Ericsson wieder in die schwarzen Zahlen bringen will.

Der Konzern war einst Schwedens industrielles Flaggschiff, ist trotz Milliardenverlusten aber immer noch ein nationales Kleinod, in das mehr als eine Million schwedischer Privatanleger investiert haben. Die mussten zusehen, wie der Aktienkurs um mehr als 90 Prozent einbrach. Die Hauptkunden, die hochverschuldeten Telekom-Konzerne dieser Welt, bauen ihre Mobilfunknetze nicht in dem Takt aus, mit dem Ericsson gerechnet hatte.

Nicht nur für die Kleinanleger dürfte Svanberg so etwas wie Ericssons letzte Hoffnung sein. Für Aufsichtsratschef Michael Treschow ist er „eine Langzeit-Lösung“. Der leidenschaftliche Eishockey-Fan ist ein Mann für's Grobe, der sich auch nicht scheut, hart durchzugreifen. Das hat zwar auch schon sein Vorgänger Hellström gemacht, denn er reduzierte die Zahl der Beschäftigten um fast die Hälfte auf etwas mehr als 60 000. Doch im Gegensatz zum schüchtern und bieder wirkenden Hellström, der Kameras und Mikrofone meidet wie andere die Pest, fühlt sich der drahtige Svanberg im Scheinwerferlicht wohl.

Kein Wunder, hatte er doch bisher immer eine überaus glückliche Hand. Als er 1986 beim schwedischen Sicherheitskonzern Securitas anfängt, sieht er schnell die Expansionschancen für das Unternehmen in einer Welt, in der Sicherheit eine immer größere Rolle spielt. Der dreifache Vater ist die treibende Kraft, dass Securitas mit dem finnischen Konkurrenten Metra zu Assa Abloy fusioniert. Er führt das neue Unternehmen als Konzernchef an die Spitze: Heute ist Assa Abloy der größte Hersteller von Sicherheitsschlössern auf der Welt. Während seiner Zeit als Herr über die Schlösser hat Svanberg mehr als 100 Konkurrenten weltweit aufgekauft und dennoch den Aktionären fette Gewinne geschenkt.

Gleichzeitig bescheinigen ihm seine Mitarbeiter, dass er mit viel Einfühlungsvermögen das Personal zu immer neuen Höchstleistungen motiviert hat. „Er ist ein Führungstyp, der schnell Entscheidungen treffen kann und oft den richtigen Riecher hat“, sagt eine enge Mitarbeiterin über ihn. Als Pfadfinder hat er die Spurensuche schließlich schon von Kindesbeinen an gelernt.

Sicherheit schreibt er groß: Seinen Wachhund ruft er „Kofi“, benannt nach dem UNO-Generalsekretär, den er neben Nelson Mandela als eines seiner Vorbilder bezeichnet. Kofi passt auf, dass nichts geschieht auf seinem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert außerhalb Stockholms. Sollte er die hohen Erwartungen nicht erfüllen und Ericsson nicht wieder auf die richtige Spur bringen können, dürfte sein Stuhl schnell zum Schleudersitz werden. Doch für diesen Fall hat er vorgesorgt: „Ich behalte meinen Platz im Aufsichtsrat von Assa Abloy“, erklärte er gestern.

Erst einmal gibt er sich aber optimistisch: So hat er in den letzten Tagen Ericsson-Aktien für umgerechnet rund elf Millionen Euro gekauft. „Damit will ich deutlich machen, dass mein Fokus auf der Rentabilität liegt“, verkündet er. Trotz Sicherheitsbewusstsein scheint Carl-Henric Svanberg also den Nervenkitzel zu lieben.

Quelle: Handelsblatt

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%