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Comeback der Super-Hausfrau

Martha Stewart wollte keine Zeit verlieren. Bereits kurz nach Mitternacht verließ die 63-jährige Hausfrauen-Ikone Amerikas am Freitag das Frauengefängnis in Alderson im US-Bundesstaat West Virginia. Auf dem nahe gelegenen Regionalflughafen wartete bereits der Privatjet.

HB NEW YORK. Im grauen Strickponcho und Jeans kletterte der Lifestyle-Guru in die Maschine. Noch ein kurzer Blick zurück auf die Reporterschar, und um ein Uhr war Exhäftling Nummer 55170-054 nach fünf Monaten hinter Gittern auf dem Weg zu seiner 16 Millionen Dollar teuren Villa in Bedford, etwa 65 Kilometer nördlich von Manhattan.

Ebenso sorgfältig inszeniert wie ihre Freilassung ist das Comeback der Kultfigur des biederen Amerikas. „Martha ist wieder da“, titeln Magazine und Zeitungen. Die großen Fernsehanstalten berichten live von den ersten Stunden in der Freiheit. „Sie hat ihren Cappuccino vermisst“, melden Reporter.

Das Medienereignis ist gewollt. Es hilft der gefallenen Star-Unternehmerin, ihren Namen und damit ihr Unternehmen wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Martha Stewart Living, eine börsennotierte Firma mit knapp 190 Millionen Dollar Umsatz und Produkten, die von Kochrezepten über Lifestyle-Magazine bis zu Designer-Möbeln reichen, braucht dringend die Hilfe ihrer Gründerin und Mehrheitseigentümerin. Ein Erlöseinbruch um ein Viertel bescherte der Firma im vergangenen Jahr einen Verlust von 60 Millionen Dollar.

Queen of Perfection

„Es ist für jeden offensichtlich, welchen großen Wert die Marke und der Mensch Martha Stewart haben“, sagt Susan Lyne, die während deren Abwesenheit das Unternehmen führte. Lyne gehört zu einem kleinen Team von Persönlichkeiten, die seit Monaten das Comeback der Super-Hausfrau planen. Dabei sind auch Immobilienmogul Donald Trump, TV-Produzent Mark Burnett („The Apprentice“) und Musikunternehmer Charles Koppelman, der bereits Michael Jackson Beistand geleistet hat.

Ihr gemeinsames Ziel ist es, Martha Stewarts dunkle Zeit in der Zelle von Alderson in eine glorreiche Rückkehr für sie und ihre Firma umzumünzen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, liebt Amerika doch Menschen, die sich eine zweite Chance erkämpfen. Die Börsianer glauben jedenfalls an das Comeback. Seit ihrer Verurteilung hat sich der Aktienkurs von Martha Stewart Living verdreifacht.

Zur Erinnerung: Die Frau mit dem bis dahin lupenreinen Image – in den USA kurz „Queen of Perfection“ genannt – war in einen Insider-Skandal um die US-Biotechfirma Imclone verwickelt, mochte den Staatsanwälten jedoch die peinliche Angelegenheit nicht beichten. Der Schwindel flog auf, und Stewart wurde von einem New Yorker Gericht wegen Behinderung der Justiz verurteilt. Das Verfahren der Börsenaufsicht SEC steht noch aus. Stewart ging freiwillig ins Gefängnis und hob sich damit positiv von den Skandalmanagern bei Enron, Worldcom & Co. ab. „Es hat etwas von Märtyrertum“, sagte Jeffrey Sonnenfeld, Management-Professor in Yale, dem Magazin „Newsweek“.

Lesen Sie auf Seite 2: Zum Happy End fehlt der nachträgliche Freispruch

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