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Der Apple-Herausforderer

Kein großer Saal, keine Bühnenshow, keine Werbung mit Popstars – nur ein Mann und sein Produkt. Bescheiden tritt Sim Wong Hoo hinter das Pult im Vortragsraum der Londoner Filmakademie Bafta und stellt den Musikspieler vor, mit dem er Apples iPod vom Thron stoßen will.

LONDON. Mittelgroß ist der 49-jährige Gründer der Singapurer Creative Technology Ltd, er hat schwarzes, gescheiteltes Haar und trägt eine Goldrandbrille, die Hosenbeine seines grauen Anzugs sind etwas zu kurz. Am Handgelenk trägt er eine Uhr mit LCD-Anzeige und Mini-Taschenrechner wie aus den 80er-Jahren.

Der Kontrast zu den Präsentationen des Apple-Chefs Steve Jobs könnte kaum größer sein. Jobs inszeniert sich ebenso wie sein Unternehmen als Markenprodukt und wirbt mit Popstars wie Madonna. Mit kurz rasiertem weißem Haar, randloser Brille, Jeans und schwarzem Pullover präsentiert er sich vor Tausenden von Apple-Fans als Technologieguru.

Doch Sim verzichtet auf eine Inszenierung. Eine Power-Point-Präsentation mit Produktvorführung muss reichen. „Wir wollen gar nicht modisch sein“, sagt er. Entscheidend sei, dass sein neuer MP3-Spieler „Zen Vision:M“ technisch überlegen sei. „Wir sind ein ernsthafter Herausforderer für die Nummer eins“, beteuert Sim und fügt kichernd hinzu: „Sie wissen ja, wen ich meine.“ Dann zeigt er ein Bild mit dem kompletten Geräteprogramm von Creative. „Wahrscheinlich machen wir viel zu viel“, entfährt es ihm da, und eine neue Kichersalve folgt.

Nein, die Marketingsprüche liegen ihm nicht, die Inszenierungen des Konkurrenten Steve Jobs könnten ihm nicht ferner sein. Sim ist ein Techniker – und ein Spieler, der das Business nicht bierernst nehmen kann. Da ist es kein Wunder, dass weder sein Lebenslauf noch der seiner Firma besonders geradlinig wirken.

Als zehntes Kind einer armen Singapurer Familie geboren, macht er 1975 sein Diplom als Ingenieur. Danach arbeitet er als Lehrer, bei einer japanischen Elektronikfirma und auf Ölplattformen, bevor er 1981 mit Schulfreund Ng Kai Wa und 6 000 Dollar Startkapital ein Unternehmen gründet: Creative Technology. Die Anfänge sind bescheiden. Die Freunde reparieren Rechner und schulen Computernutzer, um ihre Eigenentwicklungen zu finanzieren.

Sim ist als Musikfan – er spielt Klavier, Akkordeon sowie Harmonika und sammelt Instrumente – von der Idee besessen, dem grauen Rechenknecht das Musizieren beizubringen. 1986 bringt Creative einen Multimedia-PC auf den Markt, ein Jahr später die erste Soundkarte zum Einstecken in PC und in Apple-Computer.

Damit reist er 1989 in die USA und kündigt an, dass er nicht zurückkommt, bevor er Aufträge für eine Million Dollar hat. Und es klappt: Die „Soundblaster“-Karte wird zum Hit auf der Computermesse Comdex in Las Vegas. „Er kam mit dem großen Auftrag zurück und mit einem Foto von sich und Michael Jackson. Er war so stolz“, erinnerte sich Mitgründer Ng in einem Interview.

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