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Der Geldgräber

Ein schüchterner 29-Jähriger ist der heißeste Jungstar des Silicon Valley. Vor allem klassische Medienkonzerne fürchten Kevin Roses rasant wachsende, nutzerorientierte Nachrichtenseite Digg.com.

LOS ANGELES. Ausgewaschenes T-Shirt, unrasiert, Schlappen an den Füßen, die aussehen wie nach einer Wanderung über tausend Meilen Wüstensand – nur als Internet-Gründer schafft man es wohl in solch einer Kleidung auf die Titelseite eines der angesehensten Wirtschaftsmagazine der Welt, der „Business Week“.

Kevin Rose zum Beispiel hielt kürzlich beide Daumen nach oben, während die Schlagzeile des Magazins schrie: „Wie dieser Junge 60 Millionen Dollar in 18 Monaten machte.“ Doch gemacht hat er sie nicht, es ist eine Rechnung, die sich an der Bewertung anderer Internet-Startups orientiert – und Rose hat sein Unternehmen nicht verkauft.

An Anfragen, es doch zu tun, mangelt es dem 29-Jährigen nicht: Seine Firma Digg.com gehört zum Heißesten, was das Silicon Valley derzeit zu bieten hat.

In Deutschland kennen bisher nur Netz-Experten Digg.com – oder seine deutsche Kopie Yigg.de. Digg.com (To dig heißt übersetzt so viel wie graben, buddeln) funktioniert wie eine elektronische Tageszeitung. Nur das keine hierarchisch besetzte Redaktion die Themen auswählt, sondern die „Digg Army“ – die Nutzer.

Mittlerweile sind das mehr als eine Million Surfer am Tag. Sie melden interessante Storys von anderen Internet-Seiten an und lassen „total demokratisch“ (Rose) abstimmen, welche davon ganz oben auf der Webseite erscheint.

Es ist eine Mischung aus personalisierter Nachrichtenquelle und Spielzeug mit hohem Suchtcharakter. Auf der Rangliste der populärsten Web-Seiten ist Roses Schöpfung weltweit auf Rang 24. Schon zittert mancher Verleger: Glauben Nutzer, dass sie über Digg alle für sie relevanten Nachrichten beziehen können, wäre das ein harter Schlag für die Online-Angebote der klassischen Medien.

Wenn Kevin Rose in seiner Lieblingskneipe am Hafen von San Francisco von dem erzählt, was Digg heute ist und einmal werden soll, klingt das schon wieder schwer nach einer neuen Internet-Blase. Ist Digg also wieder so eine Eintagsfliege im weltweiten Netz von Surfern und Illusionisten? Eine mit Risikokapital aufgeblasene Pusteblume, die sich wie unzählige Unternehmen vor ihr schon sehr bald im sanften Sommerwind von Silicon Valley auflöst?

„Mit Sicherheit nicht“, meint Dennis Fong, Mitbegründer der Online-Spiele-Firma Xfire, die unlängst für 102 Millionen Dollar an Viacom verkauft wurde. „Kevin ist seiner Zeit weit voraus, er hat begriffen, in welche Richtung sich das Internet entwickeln wird. Und Digg.com zeigt uns den Weg.“

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