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Der unfallfreie Versicherer

Henri de Castries hat den Versicherer Axa ohne Probleme durch die Branchenkrise geführt – mit ungewöhnlichen Mitteln.

PARIS. Fallschirmspringen und das Führen eines milliardenschweren Versicherungskonzerns haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Auf den zweiten schon, folgt man Henri de Castries, früher selbst begeisterter Fallschirmspringer und nun Chef von Axa, dem zweitgrößten Versicherer Europas. „Beim Fallschirmspringen lernt man, seine Emotionen zu beherrschen“, sagt der 49-Jährige. Und diese Fähigkeit sei auch im Geschäftsleben recht nützlich.

Seitdem der Absolvent der angesehenen Verwaltungshochschule ENA im Mai 2000 den Chefposten von seinem Ziehvater Claude Bébéar übernommen hat, durfte sich de Castries keine größeren Fehler leisten, nicht in der Luft und auch nicht am Schreibtisch. Denn Bébéar setzte sich an die Spitze des Aufsichtsrats und überwachte fortan jede Aktion seines Nachfolgers. Bébéar gilt in Frankreich als Finanzgenie, weil er aus dem kleinen Versicherungsverein Ancienne Mutuelle in 25 Jahren einen Weltkonzern machte. Und weil zusammen mit de Castries’ Amtsantritt auch noch die größte Baisse der Nachkriegszeit einsetzte, waren die Voraussetzungen für eine strahlende Karriere als Axa-Chef nicht eben gut.

Morgen legt de Castries, ein drahtig wirkender Manager mit jungenhaften Gesichtszügen und stets gut geföhntem dunklem Haar, die Axa-Ergebnisse für 2003 vor. Analysten rechnen mit soliden Zahlen. Spätestens jetzt, nach vier Jahren an der Spitze der Axa, kann de Castries von sich behaupten, eine Punktlandung geschafft zu haben. „Von den großen europäischen Versicherern haben nur Axa und Generali dasselbe Rating wie 1998“, sagt er stolz. Und im Gegensatz zum Rivalen Allianz hat Axa die Börse nicht mittels einer Kapitalerhöhung angezapft, um das Eigenkapital zu stärken – den Rohstoff

aller Finanzgeschäfte.

Seitdem die Allianz 2001 für 24 Milliarden Euro die Dresdner Bank übernommen hat, ist aus dem deutsch-französischen Rennen um die Marktführerschaft in Europa auch ein Duell der Geschäftsmodelle geworden. De Castries bleibt seiner Linie treu, den Kunden „protection financière“ zu bieten – mehr als nur Versicherungen, aber weniger als die breite Produktpalette eines Allfinanzriesen wie der Allianz.

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