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Die Entdeckung der Langsamkeit

Statt Meinungen verkauft René Kaute nun Kaffee. Der Dooyoo-Gründer ist in der Old Economy angekommen.

KÖLN. Auf 25 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit bringen es die beiden Piaggio-Ape-Mofas mit den drei Rädern und den großen Kästen auf dem Gepäckträger. Bergab auch 35. Aber Berge gibt es in Köln nicht viele. Also geht es meist langsam voran – ganz nach dem Geschmack von René Kaute.

Ihm und einem Kompagnon gehören die Transport-Flitzer mit dem Schriftzug Coffee Angel. Es ist Kautes zweiter großer Anlauf, ein Unternehmen zu gründen. Der erste war 1999, und er ein echter Protagonist der New Economy. Damals machte er mit Dooyoo Meinungen, Verbraucher konnten dort ihre Erfahrungen mit bestimmten Produkten austauschen. Jetzt brüht er Espresso und lässt ihn seit Oktober 2002 von seinen Mitarbeitern per Dreiradfahrzeug zu Feiern und Messen bringen, samt Espressomaschine.

„Damals, zu Dooyoo-Zeiten, waren alle Gesetze außer Kraft“, sagt Kaute heute, lässig im braunen Cordanzug, ohne Krawatte, die oberen Hemdknöpfe geöffnet. Entspannt schaut er aus; dass heute wieder alle Gesetze in Kraft sind, scheint ihm zu bekommen.

Noch vor vier Jahren muss er mit nur vier Stunden Schlaf auskommen. Den Business-Plan für Dooyoo schreiben er und seine fünf Mitstreiter, Freunde aus Kölner Kindertagen, in nur drei Wochen. Dafür spendieren ihm 1999 Venture-Capital-Firmen 5 Mill. Mark.

Dabei ist die Idee eines Meinungsportals abgekupfert aus den USA. Und in Deutschland ist Dooyoo hintendran, Konkurrent Ciao und andere arbeiten schon länger an ähnlichen Konzepten. Kaute und Co. müssen sich sputen: weg aus Köln, um privaten Ablenkungen zu entgehen. „100 prozentiges Commitment“ nennt er den Gang ins Berliner Exil. Dafür lässt er, der sein Volkswirtschaftsstudium geschmissen hat, auch seinen Job bei RTL sausen.



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