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Die stolze Kanadierin

Als Chefin des Autozulieferers Magna hat Belinda Stronach für Aufsehen gesorgt. Jetzt will sie Premierministerin werden.

OTTAWA. Immer wieder wird Belinda Stronach gefragt, warum sie den Chefsessel bei Magna International, einem florierenden Unternehmen der Automobilbranche, gegen einen Sitz im Parlament eintauschen und die Führung der neu gegründeten Konservativen Partei Kanadas übernehmen will. Sie komme, sagt die 37 Jahre junge Frau dann, aus einer Einwandererfamilie und wolle etwas von dem, was ihr gegeben wurde, dem Land zurückgeben. Sie sei „stolze Kanadierin der zweiten Generation“, sie wolle eine „bessere Zukunft“ für Kanada. Und deshalb will die Frau jetzt Premierministerin werden.

Im Hotel Chateau Laurier in unmittelbarer Nachbarschaft des Parlaments in Ottawa klatschen etwa 500 Sympathisanten der Konservativen Partei zum Rhythmus von Sheryl Crows Lied „A Change Would Do You Good“ (Eine Veränderung würde dir gut tun), als Belinda Stronach den Ballsaal betritt. Die Leute sind hier, um eine junge Frau zu sehen, die erst vor wenigen Wochen die politische Bühne betreten hat. Gordon Taylor, ein älterer Fan, spürt „frischen Wind in der Partei“. Die Menschen sehnten sich nach neuen Ideen, neuen Gesichtern.

Mitte Januar hat Stronach ihre Kandidatur bekannt gegeben und ihren Rücktritt als Präsidentin von Magna International erklärt, dem von ihrem Vater Frank Stronach gegründeten Unternehmen. Stronach senior war in den 50er-Jahren von Österreich nach Kanada ausgewandert. Heute ist der in Aurora bei Toronto ansässige Konzern, der in 22 Ländern 72 000 Beschäftigte hat, einer der größten Zulieferbetriebe für Nordamerikas Autobranche.

Mit unternehmerischem Misserfolg jedenfalls hat der Wechsel in die Politik wohl nichts zu tun. Unter ihrer Führung, sagen ihre Anhänger, habe Magna die Umsätze auf heute 20 Milliarden kanadischer Dollar (12,2 Milliarden Euro) gesteigert, der Aktienkurs habe sich seit ihrem Amtsantritt verdoppelt. Stronach hat reihenweise Preise eingeheimst, im vorigen Jahr stand sie auf Platz zwei der Liste der international erfolgreichsten Unternehmerinnen, die das Magazin Fortune veröffentlicht.

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