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Die vielen Facetten der Esther K.

Esther Koplowitz, die Großaktionärin des Baukonzerns FCC, mutiert zur Top-Frau der spanischen Wirtschaft.

MADRID. Koplowitz ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Da ist zum einen die Marquise von Kuba und von Casa Peñalver, omnipräsent auf Wohltätigkeitsveranstaltungen und in spanischen Hochglanzblättern. Dann gibt es die stille Beisitzerin bei Pressekonferenzen des Baukonzerns Fomento de Construcciones y Contratas (FCC), die, obwohl ihr 38 Prozent des Unternehmens gehören, aufmerksam zuhört, was FCC-Vorstandschef Rafael Montes sagt. Und schließlich die Strippenzieherin, die hinter den Kulissen bestimmt, was bei FCC zu geschehen hat, jenem Konzern, der seinen Umsatz bis 2008 von sieben auf 12 Milliarden Euro steigern will.

Sicher ist: Koplowitz ist die wohl mächtigste Managerin Spaniens. Dass FCC jüngst für zwei Milliarden Euro den britischen Müllentsorger Waste Recycling Group und für 480 Millionen den österreichischen Baukonzern Alpine Mayreder gekauft hat, ist ihr zuzuschreiben. „Der Deal mit den Briten war ein sehr intelligenter Zug von ihr, der Kaufpreis ist gerecht“, sagt Tomás Pintó von Kepler Equities. Denn der spanische Baumarkt kühlt ab. Koplowitz beschleunigt mit dem Kauf des britischen Müllentsorgers die Auslandsexpansion und diversifiziert gleichzeitig.

„Weil Esther Koplowitz das Unternehmen von ihrem Vater, einem ungarischen Immigranten, geerbt und sich nicht aus eigenen Stücken hochgearbeitet hat, wird sie von vielen unterschätzt“, meint Juan Manuel Álvarez-Vijande y García, Chef der Interessenvereinigung spanischer Vorstandsmitglieder IC-A.

Die Adlige, die das französische Gymnasium besuchte und dann Philosophie studierte, hat das Handwerk nicht von der Pike auf gelernt. 1998 kaufte sie ihrer Schwester Alicia deren Beteiligung von 28 Prozent an FCC ab. Vater und Firmengründer Ernesto Koplowitz war lange vorher gestorben, sie zog drei Kinder groß und sammelte Kunst. Damals galt sie in der Öffentlichkeit als Verliererin. „Beide Schwestern hatten keine Erfahrung im Geschäftsleben“, erzählt PR-Expertin Alejandra Moore von der spanischen Grupo Albion. Aber Alica galt mit ihrer Investmentgesellschaft Omega Capital lange Zeit als die Cleverere. Das hat sich geändert: „El Mundo“ beförderte Esther, die seit drei Jahren mit dem Adligen Fernando Falcó verheiratet ist, in der Liste der einflussreichsten Spanier von Platz 70 auf 40. Das hilft dem Selbstbewusstsein.

Auf der Höhe ihres Erfolges will sich die leidenschaftliche Jägerin noch einen Wunsch erfüllen: „Einmal auf Löwen- und Elefantenjagd gehen.“ Diese zarte Frau mit einer großen Flinte auf der Schulter? Die Gesichter der Esther Koplowitz scheinen unzählbar.

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