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Ein Porsche-Fan macht Maschinenbauern Tempo

Der neue VDMA-Präsident Manfred Wittenstein kämpft für den Produktionsstandort Deutschland.

HAMBURG. Das Thema lässt ihn nicht los: Die Unternehmen hierzulande müssten intelligenter produzieren, innovativer werden, um die Produktion in Deutschland zu halten. Manfred Wittenstein wird nicht müde, dies zu predigen, und das schon seit Jahren – zunächst als Unternehmer, später als Mitglied in zahlreichen Forschungsgremien und Vizepräsident im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und jetzt als oberster Vertreter der deutschen Maschinenbauer. Ende vergangener Woche hat ihn der Hauptvorstand auf der Mitgliederversammlung in Hamburg für die nächsten drei Jahre zum VDMA-Präsidenten gewählt.

Wittenstein war der einzige Kandidat. Er hatte sich bereits im Sommer gegen den anderen VDMA-Vizepräsidenten, Thomas Lindner, durchgesetzt. Lindner, Chef des Nähnadelherstellers Groz-Beckert, wurde jetzt in Hamburg für eine zweite Amtszeit als Vizepräsident wiedergewählt. Zum zweiten Stellvertreter bestimmten die Delegierten Joachim Rohwedder von der gleichnamigen Firma in Bermatingen.

Der Wechsel an der Spitze des Verbandes zeigt die Vielfalt in der Paradebranche der deutschen Investitionsgüterindustrie mit ihren rund 6 000 Unternehmen mit durchschnittlich 150 Beschäftigten. Der bisherige Präsident – der ruhige, nachdenkliche 68-jährige Dieter Brucklacher – verkörpert den Typ des urschwäbischen, bodenständigen Unternehmers.

Manfred Wittenstein ist anders. Er ist einer, der aufmischt, der wortreich Visionen entwickelt, diese erfolgreich umsetzt und stets energisch davor warnt, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Der 1942 in Berlin geborene Unternehmer aus Igersheim bei Würzburg mit dem markanten Kinnbart redet schnell, wirkt eloquent und geschmeidig. „Er ist ein starker Repräsentant eines sehr modernen Maschinenbaus“, beschreibt ein VDMA-Mitglied im Hamburger Kongress-Center, wo die VDMA-Mitgliederversammlung und die von Wittenstein initiierte Veranstaltung „Total global – intelligenter produzieren für den Weltmarkt“ stattfanden. Dort lobte der neue Verbandspräsident die Rückbesinnung auf den Standort Deutschland und sah in dem Boom der Branche die positiven Auswirkungen der Globalisierung.

Auf der VDMA-Mitgliederversammlung am Nachmittag stellte Wittenstein seine „Regierungserklärung“ unter das Thema Netzwerke und plädierte für eine Verzahnung von Forschung und Unternehmen sowie für engere Verbindungen der Firmen untereinander. Seine Botschaft war eindeutig: Nur wenn modernste Produktionstechnik in Deutschland entwickelt und hier auch erstmalig angewendet werde, könne das Land seine führende Position auf dem Weltmarkt halten.

Wittenstein ist keiner jener schwäbischen Tüftler, für die der Maschinenbau berühmt ist. Der Porsche-Fan und Kunstliebhaber, der in seiner Freizeit Querflöte spielt, baut 1979 konsequent das Unternehmen seines Vaters von der Herstellung von Damenhandschuhen auf sogenannte Planetengetriebe um, bei denen drei kleine Zahnräder ein größeres umkreisen – wie Planeten einen Fixstern.

Damit hat er Erfolg: Die Wittenstein AG setzt heute fast 150 Millionen Euro um und beschäftigt knapp 1 000 Personen. Ihre Getriebe finden sich in Aufzügen, Robotern und auch im Airbus A380. Dabei produziert das Unternehmen bis auf eine kleine Fertigung in den USA fast ausschließlich in Deutschland. Wie dies auch anderen Unternehmen gelingen kann, das wird eines der Hauptthemen des neuen VDMA-Präsidenten.

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