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Ein Raider geht in Rente

Roland Flach tritt ab: Der Vorstandschef der angeschlagenen Beteiligungsgesellschaft WCM hat auf Druck des Hauptgläubigers HSH Nordbank seinen Hut nehmen müssen. Der Aufstieg und Fall eines bemerkenswerten Managers.

HAMBURG. Ob MG Technologies, ThyssenKrupp oder die Metro – wenn an der Frankfurter Börse vor einigen Jahren Übernahmespekulationen die Runde machten, standen bei einem Mann die Telefone nicht still: Roland Flach, Vorstandschef der Frankfurter Beteiligungsholding WCM.

Denn immer wieder überrascht der so gedrungen wirkende Manager mit dem leichten Doppelkinn Analysten und Banker mit spektakulären Ankündigungen: Mal erschüttert er Deutschlands Finanzgemeinde mit einem Einstieg bei der Frankfurter Commerzbank, mal verblüfft er mit einer Beteiligung an den Duisburger Klöckner-Werken oder der Bonner Immobilienholding IVG. Der Kurs der WCM kennt nur eine Richtung: steil aufwärts. Mehr als sechs Milliarden Euro ist das Unternehmen zeitweise wert. Das war 2002.

Anders ist das Bild am Donnerstag vergangener Woche: Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit, tritt der gefürchtete Raider ab. Der 62-jährige Manager hat sein Amt als Vorstandsvorsitzender niedergelegt, teilt WCM in einer dürren, fünfzeiligen Ad-hoc-Meldung mit. Der Aktienkurs gibt leicht auf 13 Cent nach, die Börsenkapitalisierung erreicht mit 40 Millionen Euro einen für die Gesellschaft historischen Tiefpunkt.

Sein Rückzug kommt nicht überraschend: Denn die WCM steht am Rande des Abgrunds. Der Grund: Die Hamburger HSH Nordbank – Hauptgläubigerin der Firma – hatte der Frankfurter Gesellschaft über Nacht alle Kredite gekündigt und dem Vorstand eine kurze Frist gesetzt, um die Darlehen zurückzuzahlen. Flach bemüht sich, einen Käufer für den Duisburger Maschinenbauer Klöckner-Werke zu finden. Damit will er das millionenschwere Finanzloch stopfen.

Doch kein Investor beißt an. Die HSH Nordbank bereitet deshalb die Versteigerung der Aktienmehrheit an dem Maschinenbauer vor, die als Sicherheit für die WCM-Darlehen diente. Damit verliert die Gesellschaft die letzte werthaltige Beteiligung. „Ich habe es nicht geschafft“, räumt der Manager reumütig in der Frankfurter Firmenzentrale ein.

Flachs Untergang bei der WCM ist da längst programmiert gewesen. Blindlings vertraut Flach dem Firmengründer und einstigen WCM-Großaktionär Karl Ehlerding – wie ein Kettenhund seinem Herrchen. Der ehemals schwerreiche Hamburger Finanzjongleur Ehlerding hatte jahrelang unterbewertete Firmen gekauft und sie nach einer Zeit mit einem satten Gewinn wieder verscherbelt.

Doch ab 2001 geht Ehlerdings Erfolgsmodell nicht mehr auf. Er verspekuliert sich im großen Stil mit Commerzbank-Aktien. Auf Pump hatte er massiv Aktien an Deutschlands drittgrößter Bank gekauft und mit WCM-Aktien beliehen. Als es zum Börsencrash kommt, fällt der Commerzbank-Kurs und mit ihm die Notierung der WCM. Die Folge: 800 Millionen Euro Miese allein 2002. Die Banken sitzen Flach im Nacken.

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