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„Es ist halt alles so passiert“

Nehmen wir einmal an, man wollte zeigen, wie unterschiedlich die Generation der unter 30-Jährigen sein kann. Dazu böten sich drei Personen an. Der eine sähe aus, wie man sich gemeinhin einen BWL-Studenten kurz vor dem Examen vorstellt. Nennen wir ihn Frank Haring. Ein klein wenig rundlich wäre er, seine Kleidung amerikanisch-sportlich, von Hilfiger oder Lauren vielleicht. Eine auffällige Brille würde er tragen.

Der Zweite wäre modischer gekleidet. Taufen wir ihn Tino Wolter. Er trüge Hemden, die zerknittert sind, weil es der Modedesigner es so wünscht. Ein schmaler Bartstreifen würde Mund und Kinn umspielen, ähnlich wie bei Stefan Raab.

Nummer drei schließlich, Konrad Schmidt, wäre der Außenseiter. Der Merkwürdige. Mit einem 20 Zentimeter langen dunklen Spitzbart, der zum Zopf geflochten ist, wie ein moderner Guru mit schwarzer Baseball-Kappe auf dem Kopf.

Diese drei also stünden beispielhaft für die 28-Jährigen im Lande. Und dann würde man schreiben, dass sie sehr verschieden sind und deshalb nichts miteinander anfangen könnten. Logisch.

Aber falsch. Denn Haring, Wolter und Schmidt gibt es tatsächlich. Zusammen schufen sie ein kleines Wunder der deutschen Medienwelt: den Planlos-Verlag in Dresden. Würde man diesen einem Unternehmensberater beschreiben, er würde ihn abtun als realitätsferne Gutmenschen-Vision und sagen: „So was kann nicht funktionieren.“

Tut es aber – mit wachsendem Erfolg. Rund drei Millionen Euro Umsatz macht Planlos mit dem Schülermagazin „Spießer“, der Dresdener Ausgabe des Stadtmagazins „Prinz“ und dem Klassenfahrten-Reisebüro Luégo. Schwarze Zahlen sind selbstverständlich, ebenso wie Schuldenfreiheit. Gerade hat der Verlag auch noch das Dresdener Stadtfernsehen übernommen – sehr zum Ärger lokaler Medien, die nun gegen die Jung-Verleger wettern.

Während in Westdeutschland kaum jemand den „Spießer“ kennt, ist er mit einer Auflage von 300 000 Exemplaren in Ostdeutschland eine Macht. Zehnmal im Jahr wird das Magazin auf Zeitungspapier kostenlos an Schulen verteilt, bei McDonald’s, in Kinos und Bibliotheken.

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