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Fedele Confalonieri: Berlusconis Babysitter

Fedele Confalonieri gehört zu den engsten Vertrauten Silvio Berlusconis. Er hat dessen italienischen Medienkonzern Mediaset mit aufgebaut. Und nun bereitet er ein Übernahmeangebot für Pro Sieben Sat 1 vor.

MAILAND. Silvio Berlusconi steht vorne im Rampenlicht und trällert einen Schlager nach dem anderen. Im Hintergrund sitzt Fedele Confalonieri am Klavier und gibt sein Bestes. Die beiden unterhalten die Urlauber auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer.

Fast 50 Jahre ist das nun her. Doch die Männerfreundschaft hat gehalten. Berlusconi kann noch heute auf die zuverlässige Begleitung des Studienfreundes zählen. Als Präsident des Medienunternehmens Mediaset ist der Berlusconi-Intimus, dessen Vorname Fedele übersetzt „treu“ bedeutet, dessen Statthalter beim größten Medienkonzern Italiens.

Heute wird der Verwaltungsrat des Unternehmens, das 50 Prozent des italienischen Fernsehens kontrolliert, eine wichtige Entscheidung treffen: ob es ein Übernahmeangebot für den deutschen Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 vorlegen wird.

Bisher ist Mediaset im Ausland nur in Spanien mit Telecinco vertreten. In Frankreich hat das Unternehmen seinen 1986 gegründeten Sender „La Cinq“ nach sechs Jahren hoch verschuldet geschlossen, und auch in Deutschland hatten die Italiener bisher wenig Glück.

Silvio Berlusconi selbst hat keinen Posten im Verwaltungsrat von Mediaset, ist aber über seine Finanzholding Fininvest Mehrheitsaktionär von Mediaset. Zudem ist klar, dass das Gremium nichts entscheidet, was Berlusconi nicht will. Dafür sorgen Confalonieri und die Kinder Berlusconis: Marina und Pier Silvio, die zum Verwaltungsrat gehören.

Auch die zweite Generation hat eine enge Beziehung zu dem treuen Begleiter ihres Vaters. „Confalonieri hat die Rolle des Babysitters und der Henne übernommen, die Marina und Pier Silvio als Manager groß gezogen hat“, sagt ein Wegbegleiter über das Verhältnis des Managers zu den Kindern seines Freundes. Marina Berlusconi ist heute Chairman der Familienholding Fininvest, und ihr Bruder Pier Silvio sitzt als Vizepräsident im Verwaltungsrat bei Mediaset.

Confalonieri kümmert sich seit 1994 als Präsident um Mediaset. Damals wechselte Berlusconi zum ersten Mal in die Politik und übergab seinen Posten dem Ex-Klavierspieler.

Im Gegensatz zu seinem Freund und Arbeitgeber scheut Confalonieri das Rampenlicht. Anders als Berlusconi, der durch Schönheitsoperationen und Haartransplantationen von sich reden macht, sieht man Confalonieri seine fast 70 Jahre an. Statt auf einer Luxusyacht kann man den Mann, den seine Mitarbeiter „Zio“ – Onkel – nennen, eher in der Oper antreffen. Der Liebhaber der klassischen Musik ist ein Stammgast in Salzburg und hat lange als Präsident dem Orchester der Mailänder Scala vorgesessen, bis er vor zwei Jahren im Streit mit Gegnern des Dirigenten Riccardo Muti zurückgetreten ist.

Confalonieri gilt als einer, der zuhören, aber auch entscheiden kann. Die Mitarbeiter schätzen ihn als zugänglich und keineswegs arrogant, „ein Top-Manager, der einen nicht den Unterschied spüren lässt“. Ihm ist auch klar, dass die letzte Entscheidung stets bei Berlusconi liegt. „Er mag treu sein, aber dumm ist er nicht“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter über Confalonieri. Zudem gehöre der Jugendfreund zu den wenigen Personen im Umkreis des ehemaligen Premiers, die ihm die Wahrheit ins Gesicht sagen können. Auch habe es der Musikfan stets verstanden, die politische Klaviatur zu spielen und im Gegensatz zu dem oft polemischen Berlusconi die Beziehungen zu beiden politischen Lagern zu halten. So ist er auch mit dem neuen Rai-Präsidenten Claudio Petruccioli befreundet, der dem linken Lager zuzuordnen ist.

Als Berlusconi zum zweiten Mal Regierungschef wurde, hielt sich Confalonieri wohl sogar für so unparteiisch, dass er sich 2002 selbst zum Präsidenten für die staatliche Sendeanstalt Rai vorschlug: „Es gibt wohl kaum einen Mann in diesem Land, der die Meinungsvielfalt besser garantieren kann als ich“, sagte er.

Den Posten als Rai-Präsident bekam er zwar nicht. Aber ohne Einfluss auf das italienische Medienumfeld blieb er trotzdem nicht. So hat er seinen Einfluss beim umstrittenen Mediengesetz geltend gemacht, das Berlusconi durch komplizierte Werberegeln weiterhin seine Marktmacht sicherte.

Kritik an dem Gesetz wies Confalonieri polternd zurück. Und von seiner Konzernzentrale in Cologno Monzese aus, vor den Toren Mailands, drohte er mit Verleumdungsklagen. Der Jurist wusste, wovon er sprach: Immerhin hatte er schon seine Diplomarbeit über die Anti-Kartell-Regeln geschrieben.

Mit dem Staatsfernsehsender Rai und seinem eigenen Imperium beherrschte Berlusconi in seiner Amtszeit mehr als 90 Prozent des Marktes. Kritiker haben das mit der Machtfülle des rumänischen Diktators Ceausescu verglichen. Ein Vergleich, der auch Confalonieri in einem Interview herausrutschte, als er sagte, Berlusconi sei „ein guter Ceausescu“.

Aber sonst hat er Berlusconi ständig verteidigt in der Öffentlichkeit. So viel Treue ist dem Cavalliere – wie Berlusconi wegen seiner Auszeichnung als „Ritter der Arbeit“ genannt wird – denn auch eine besondere Belohnung wert: Confalonieri hat seinen Platz im pompösen Privatmausoleum im Park von Berlusconis Villa in Arcore im Norden Mailands schon sicher. Auch das ist das Ergebnis einer der vielen Gesetzesänderungen Berlusconis: Denn vorher war die Beerdigung auf privatem Boden verboten.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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