Profil: Fritz Fröhlich hält bei Akzo Nobel das Geld zusammen
„Ich war wie vom Donner gerührt“

Fritz Fröhlich hat es so weit gebracht wie kein anderer Deutscher in der boomenden Wirtschaft des Nachbarlandes. Er ist nicht nur Finanzvorstand des weltweit tätigen Konzerns, der mit 14 Milliarden Euro Umsatz zu Hollands größten Firmen zählt. Er vertritt Akzo Nobel auch als Vize-Vorstandschef bei Großanlegern in aller Welt.

ARNHEIM. Um kurz nach sieben bahnt sich die Limousine ihren Weg von Wuppertal über die A 3 nach Norden. Im Fond nimmt der deutsche Finanzchef des niederländischen Chemiekonzerns Akzo Nobel einen Schluck Kaffee und faltet die „Bild Zeitung“ auseinander. Er wechselt ein paar Worte mit seinem Fahrer, der ihn jeden Morgen ins Büro nach Arnheim fährt, und stimmt mit seiner Sekretärin per Handy schon mal seine Termine ab.

Fritz Fröhlich hat es so weit gebracht wie kein anderer Deutscher in der boomenden Wirtschaft des Nachbarlandes. Er ist nicht nur Finanzvorstand des weltweit tätigen Konzerns, der mit 14 Milliarden Euro Umsatz zu Hollands größten Firmen zählt. Er vertritt Akzo Nobel auch als Vize-Vorstandschef bei Großanlegern in aller Welt. Im Jahr 2000 wählte ihn Hollands Fachblatt „Management Team“ zum besten Finanzvorstand der in Amsterdam gelisteten Top-Firmen. Und Anfang Juni zeichnete ihn die Londoner Institutional Investor’s Research Group als besten Finanzchef der Chemischen Industrie aus.

Der im Sauerland geborene, im Westfälischen aufgewachsene und in Wuppertal verwurzelte Fröhlich blickt auf eine für einen Finanzmann ungewöhnliche Karriere zurück. Mehrfach hat der 61-Jährige Firma, Branche und Funktion gewechselt: Als Marktforscher bei Firestone wurde er zum Amerika-Fan. Bei Fichtel & Sachs zog er seine ersten Akquisitionen durch. Bei Krupp-Widia lernte er, Betriebe zu sanieren, ohne die Belegschaft auf die Barrikaden zu bringen.

„Spätestens nach fünf bis sechs Jahren bin ich stets unruhig geworden, wollte etwas Neues machen und mich verbessern“, erzählt er. „Natürlich geht man bei solchen Wechseln voll ins Risiko. So ein Seiteneinstieg geht leicht schief.“

Aarnout Loudon, damals Vorstandschef von Akzo Nobel, bietet ihm 1990 die Leitung der Fasersparte in Wuppertal an. Die frühere Enka-Glanzstoff ist abgewirtschaftet und kämpft gegen die Konkurrenten aus Asien. Auf Fröhlich wartet ein heikler Sanierungsjob.

Er verordnet den Faserbetrieben eine Schrumpfkur. Er verlagert Produktion nach Osten und trennt sich von Tausenden von Mitarbeitern – meist sozialverträglich, darauf legt er Wert. „Wir haben von Angesicht zu Angesicht um jede Stelle gekämpft“, sagt ein Betriebsrat, der ihr Verhältnis gleichwohl „vertrauensvoll“ nennt. „Fröhlich ist keiner, der sich hinter dem Schreibtisch verschanzt. Er ist eine ehrliche Haut.“

Auch in der Konzernzentrale der konsensorientierten Niederländer fällt er damit positiv auf. So fragt ihn Loudons Nachfolger an der Konzernspitze, Cees van Lede, 1997 beiläufig, ob er Finanzchef und sein Stellvertreter werden wolle. „Ich war wie vom Donner gerührt, aber ich habe keine Sekunde gezögert“, erinnert sich der Deutsche. Er tritt das Amt des obersten Kassenwarts mitten in der Übernahme des Farbenherstellers Courtaulds an. Er finanziert den rasanten Aufschwung der Pharmasparte Organon und den Kauf des Hoechst-Veterinärgeschäfts.

Fröhlich sieht die Aufgabe des Finanzvorstands konstruktiv. „Ich bin nicht Doctor No.“ Als stellvertretender Chef jeder der drei Konzerndivisionen ist der „Kaufmann mit Leib und Seele“ in alle Entscheidungen einbezogen.

Der kontaktfreudige Deutsche, der sich in zwölf Jahren bei Akzo Nobel ein flottes Niederländisch zugelegt hat, schätzt die informelle Art, mit der in Hollands Unternehmen kommuniziert wird. In der Akzo- Nobel-Spitze duzt man sich über Hierarchiegrenzen hinweg. Längst wird „Dr. Friedrich W. Fröhlich“, wie früher auf seiner Visitenkarte stand, auch von Jüngeren schon mal mit „Hallo, Fritz“ gegrüßt.

Wenn der Deutsche in einem Jahr seinen Vorstandsjob an den Niederländer Rob Frohn abgibt, den er selbst als seinen Nachfolger vorgeschlagen hat, wird ihn nicht die Langeweile überkommen. Er sitzt bei mehreren niederländischen Firmen im Aufsichtsrat, ebenso bei der France-Télécom-Tochter Equant. Seine Familie trägt seine Umtriebigkeit gelassen. „Meine Frau liebt den Wechsel“, versichert der Manager. Die Fröhlichs machen das Beste daraus: Ein Haus in der Provence ist im Sommer Treffpunkt der Familie.

Jetzt hat Fröhlich bald sein Ziel Arnheim erreicht. Kurz vor der Grenze rollt er mit seiner Limousine durch ein ländliches Deutschland. In den Niederlanden ändert sich das Bild: Rechts und links der Autobahn überall Gewerbebetriebe. In den Niederlanden ist die Grenzregion zwischen Kleve und Arnheim ein Premium-Standort. In Deutschland gilt sie als strukturschwach.

Die unterschiedliche Perspektive wirft ein Schlaglicht auf das Wirtschaftsklima in beiden Ländern, findet Fröhlich. „Meine niederländischen Kollegen sehen mit großer Sorge auf Deutschland“, sagt er nachdenklich. „In ihren Augen gehen die Reformen in Deutschland unbegreiflich langsam voran.“

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