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Geheimnisvoll und zäh

Otto Happel hat seinen Anteil am Maschinenbauer Gea verkauft. Wer ist dieser Mann, der die Öffentlichkeit entzweit, sich mit Vorstandschefs anlegt und sehr zurückgezogen in der Schweiz lebt?

FRANKFURT/MANNHEIM. Für die einen ist er ein „Querulant“ oder „Rebell“, für die anderen ein „eiskalter Rechner“ oder „Retter“. Der Milliardär Otto Happel polarisiert die Öffentlichkeit wie wenige andere in der deutschen Wirtschaft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es der westfälische Maschinenbau-Unternehmer seit jeher vorgezogen hat, im Hintergrund zu agieren – und damit in den letzten Jahren manches Missverständnis produziert hat.

Gestern machte er eine Ausnahme. Er lud in Frankfurt in die vornehme Villa Merton ein. Da, wo einst der Gründer der Metallgesellschaft residierte, saß er mit Journalisten am weiß gedeckten Tisch. Der bisherige Großaktionär der Nachfolgegesellschaft Gea wirkt unscheinbar. Dass er festlich gekleidet erscheint in schwarzem Anzug, weißem Hemd und roter Krawatte hat wenig mit dem Anlass zu tun: Happel kommt gerade aus der Sitzung des Commerzbank-Aufsichtsrats, dem er seit 15 Jahren angehört. Sonst bevorzugt er unauffällige Kombinationen.

Happel spricht sehr ruhig, mit sparsamen Gesten, als säße er mit seiner Familie zu Tisch. „Jetzt kann ich mit gutem Gewissen gehen“, sagt der 58-Jährige. Gea stehe nach der Sanierung wieder auf sicheren Füßen. Vorgestern hatte er überraschend angekündigt, dass er sein Aktienpaket von gut 20 Prozent an Gea verkauft hatte. Ihm fließen so etwa 540 Millionen Euro zu.

Damit macht Happel einen radikalen Schnitt. Er beendet ein Engagement, das ihm kein Geld einbrachte, aber immer wieder für spektakulären Streit mit seinen Führungskräften sorgte. Und er verabschiedet sich endgültig vom Erbe seiner Eltern.

Happels Leben ist geprägt von Kampfgeist, Zähigkeit und vom Willen durchzuhalten. Sein Vater stirbt ein Jahr nach der Geburt des Juniors. Die Mutter muss das 1883 in Bochum gegründete Unternehmen führen, das Filter für die Frischluftkühlung von elektrischen Maschinen herstellt, die Gesellschaft für Entstaubungs-Anlagen (Gea).

Als seine Mutter schwer erkrankt, ist es für den Familienmenschen Happel klar, dass er einspringt. Der frisch promovierte Ingenieur beißt sich durch und macht im Laufe der Jahre aus dem einstigen Komponentenhersteller einen erfolgreichen Systemlieferanten. Und er geht groß auf Einkaufstour. So baut er den Bereich Nahrungsmittelprozesstechnik auf und die Bereiche Wärme-/Energietechnik und Luft- und Kältetechnik aus und bringt Gea 1989 an die Börse.

Lange steuert er die Geschicke der GEA selbst. Das liegt sicherlich an dem unternehmerischen Elan des Mannes, der schon als Student an der RWTH Aachen eine Farm für die Futterpflanze Luzerne in Nord-Alberta am Polarkreis betreibt und die Ernte nach Japan exportiert.

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