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Hartz II. von Wolfsburg

Horst Neumann tritt heute als neuer VW-Personalchef ein schwieriges Erbe an. Ausgerechnet der IG Metall, die seinen Karrieresprung durchsetzte, muss er rasch weitere Einschnitte abtrotzen - die Interessenkonflikte sind bereits absehbar.

INGOLSTADT. Freude sieht anders aus. Horst Neumanns Miene wirkt angespannt. Ruckartig fliegt der Kopf mit der modischen Kunststoffbrille hin und her. Er ist in der Defensive. Und das wegen eines Karrieresprungs: Ab heute lenkt der 56-Jährige die Personalpolitik bei Volkswagen, Europas größtem Autokonzern.

Ein Traumjob. Ein Grund für den bisherigen Audi-Personaler, die Sektkorken knallen zu lassen. Eigentlich. Doch der hagere Mann mit den schwarzen Haaren wirkt seltsam zerknirscht. „Es war sicher kein guter Start“, seufzt er mit leiser Stimme.

Tatsächlich war selten zuvor ein frisch gekürter Vorstand allein wegen der Umstände seiner Wahl schon derart beschädigt, bevor er im Chefsessel überhaupt Platz genommen hat. Gegen den Willen von VW-Chef Bernd Pischetsrieder und weiten Teilen der Kapitalseite im Aufsichtsrat hatte Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gemeinsam mit der Arbeitnehmerbank das IG-Metall-Mitglied Neumann vor wenigen Wochen im Handstreich durchgesetzt.

Ein Eklat, der Aufsichtsratsmitglied Gerhard Cromme zum Rückzug aus dem Gremium bewegte – und Neumann, der für seine Arbeit bei Audi durchaus viel Lob erhielt, in den Augen vieler zu einem Erfüllungsgehilfen der IG Metall stempelte. In Wolfsburg hatte er schnell seinen Spitznamen weg: Hartz II.

Pischetsrieder gab zwar direkt nach der Berufung zu Protokoll, er begrüße die „auch aus meiner Sicht erfreuliche Mitteilung“ über die Personalie Neumann: „Jetzt ist der Vorstand wieder komplett.“ Doch Insider wissen, dass der VW-Chef einen Kandidaten von außen holen wollte, der möglichst nicht Mitglied der IG Metall ist – um auch ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Zeiten der Mauscheleien zwischen Personalmanagern und Betriebsräten in Wolfsburg endgültig vorbei sind. Viele Manager fürchten nun, dass Neumann im Verbund mit der IG Metall die zu erwartenden Reformen unter Markenchef Wolfgang Bernhard bremsen könnte.

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