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Kein Mann für die Kuschelecke

Continental-Vorstand Thomas Sattelberger übernimmt das Personalressort bei der Deutschen Telekom – ein harter Job. Doch mit schwierigen Fällen kennt er sich aus.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Während die beiden Herren willig und lächelnd für die Fotografen posieren, hat ihr Kollege längst Platz genommen und blättert in seinen Unterlagen. Er steht nicht im Fokus der Öffentlichkeit, obwohl er großen Anteil daran trägt, dass sich Continental-Chef Manfred Wennemer und sein Finanzvorstand Alan Hippe im Erfolg immer neuer Rekorde sonnen können. Der dritte Mann wirkt eher als Zaungast, als Continental an diesem Morgen im Februar im Hotel Frankfurter Hof sein fünftes Rekordjahr in Folge vorstellt.

Es wird die letzte Veranstaltung dieser Art für Thomas Sattelberger, den Personalvorstand des Konzerns, sein. Das orange-gelbe Logo des Automobilzulieferers wird er gegen das Magenta-T der Deutschen Telekom tauschen. Auch wenn sich beide Unternehmen offiziell noch bedeckt halten: Sattelberger wird bei der Telekom den Posten des Personalvorstands übernehmen. Das wird in Kreisen beider Konzerne bestätigt.

Die neue Aufgabe gilt als extreme Herausforderung und Sattelberger als Spezialist für solch schwierigen Fälle. Bei Continental managte er über Jahre die Verlagerung Tausender Arbeitsplätze in Billiglohnländer, an den deutschen Standorten setzte er massive Kostensenkungen durch. Dazu tragen zum Beispiel verlängerte Arbeitszeiten bei, die weit über den tariflichen Rahmen hinausgehen.

Als „hart, aber fair“ wird der Mittfünfziger beschrieben, wobei die Härte oft dominiere – dominieren müsse, wie Konzernkenner ergänzen. Denn Sattelberger habe die Vorgaben von Wennemer und Hippe umsetzen müssen.

Dass er mit seiner sachlichen, aber unnachgiebigen Haltung für Wut- und sogar Tränenausbrüche selbst bei kampferprobten Betriebsräten sorgt, traut man ihm bei Continental zunächst kaum zu. „Wir haben bewiesen: Was wir entscheiden, setzen wir um“, resümierte Sattelberger kurz nach dem Ende des fast 13 Monate andauernden Konflikts um die Teilschließung der Reifenproduktion in Hannover mit 400 Arbeitsplätzen. Die Auseinandersetzung hatte Continental eine miserable Presse und Kritik selbst aus dem befreundeten Arbeitgeberlager eingebracht.

Doch Sattelberger war überzeugt davon, das Richtige, weil Unausweichliche getan zu haben. „Seit zwei Milliarden Arbeitskräfte aus Asien, Südamerika und Osteuropa auf den internationalen Arbeitsmarkt hinzugestoßen sind, ist der relative Preis von Arbeit im Verhältnis zum zur Verfügung stehenden Kapital massiv gefallen.“ So einfach formulierte er die Basis seiner Aufgabe. Doch er sagte auch Sätze wie: „Die Köpfe der Mitarbeiter reichen nicht aus, wir müssen ihre Herzen gewinnen.“ Und sah darin keinen Widerspruch zu anderen Aussagen.

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