Profil: Margret Suckale
Wenn der Gegenspieler zum Chef wird

Die Monate dauernde Tarifauseinandersetzung mit den Lokführern hat sie fernsehbekannt und -erfahren gemacht. Wenn ihr Chef Hartmut Mehdorn und der Boss der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Manfred Schell, sich verhakelten, war Margret Suckale, Personalvorstand der Deutschen Bahn, stets die Kühle, Unaufgeregte, Sachliche, die den brandheißen Konflikt nicht weiter eskalieren ließ. Heute wird ihr der Bahn-Aufsichtsrat die prominente Position im DB-Management nehmen – und dorthin einen ihrer bisher gewichtigsten Gegenspieler setzen: Norbert Hansen, bislang Chef der größten Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet.

DÜSSELDORF. Was eine bittere Pille für die einzige Frau im Vorstandsrang in den hundert größten deutschen Unternehmen sein muss, ist Konsequenz der Bahnreform. Suckales Platz ist die künftige DB Mobility Logistics AG, das Verkehrsunternehmen, das zu 24,9 Prozent per Börsengang teilprivatisiert werden soll. Dort wird sie Personalchefin – in dem Konzernteil, der nicht nur die meisten Eisenbahner beschäftigt, sondern auch weit über 90 Prozent des 31-Milliarden-Umsatzes erwirtschaftet.

Mit der Versetzung ist die 51-jährige kein Einzelschicksal in der Führungsriege der Bahn. Auch Norbert Bensel, verantwortlich für Transport und Logistik, und Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch verlieren ihren Status als Holding-Vorstände, bleiben aber verantwortlich fürs operative Geschäft ihrer Sparten. Und, wie aus Bahnkreisen zu hören ist, haben sie den Status-Verlust nicht ohne heftiges Murren hingenommen.

Doch die neue Struktur ist die Folge des politischen Willens, die gesamte Bahninfrastruktur – Schienennetz, Stromversorgung, Bahnhöfe – aus der Privatisierung herauszuhalten. Der bisherige Holding-Vorstand wird oberstes Führungsgremium dieser verbleibenden Staatsbahn, mit Bahnchef Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack an der Spitze. Aus dem eigentlichen Bahngeschäft ist konsequent dann nur Netz-Chef Stefan Garber in diesem Team verblieben, in das der Ex-Transnet-Chef Hansen, langjähriger stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Bahn AG, heute als Arbeitsdirektor einziehen soll.

Nur Mehdorn und Sack werden in Personalunion auch den Vorstand der DB Mobility Logistics führen. Suckale ebenfalls die Doppelfunktion einzuräumen war mit Aufsichtsratschef Werner Müller nicht zu machen, hieß es in Konzernkreisen. Einer der naheliegenden Gründe: Bei Mehdorn und Sack ist dasDoppelmandat altersbedingt bis 2011 begrenzt. Danach werden ohnehin die Karten neu gemischt. Zudem, so verlautete, wollte die Bahn die Gewerkschaften stärker in den Privatisierungsprozess einbinden.

Ob Suckale die Beschränkung auf den künftig börsennotierten Bahnteil als Schmach empfindet, hat sie öffentlich nicht erklärt. Doch hinter den Kulissen ist im Konzern zu hören, dass sie hart mit sich gerungen habe, diese Lösung zu akzeptieren. Allerdings habe sie sich stets zu den Führungskräften gezählt, die den Privatisierungsprozess der Bahn begleiten wollten. Zumindest an diesem Ziel ist sie angekommen.

Doch Suckale hat, anders als ihre Kollegen Bensel und Rausch, ihr Spezialproblem. Während die Chefs der Verkehrsgesellschaften in der Holding nur noch Mehdorn und Sack vor sich haben, muss sie auch mit Hansen klarkommen. Die Hierarchien sind eindeutig: Die Staatsholding fungiert als Mutter der börsennotierten Mobility Logistics. Also ist Hansen Vorgesetzter von Suckale. Die kühle Juristin wird weiterhin viel diplomatisches Geschick in Personalfragen brauchen – auch in der eigenen.

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