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Mehr als nur ein Sohn

Piero Ferrari steht für familiäre Tradition und technische Innovation.

MARANELLO. Sogar die Sessel sind rot. Maranello eben. Heimat der „Rossa“. Der Raum ist tapeziert mit Fotos. Bilder legendärer Siege. Auf dem Schreibtisch liegen neben Bergen von Papier Modelle – rote Automodelle.

Der Blick aus dem Fenster fällt auf die Dächer heiliger Fabrikhallen. Der Vatikan der Automobilindustrie. Treffen mit einem Ferrari. Einem richtigen Ferrari: Piero Ferrari, Sohn von Enzo, dem Gründer der kultigsten Sportwagenfirma der Welt. Blauer Farbtupfer in einer roten Welt. Der Sohn fährt einen blauen Ferrari, trägt blaue Krawatte zum dunkelblauen Anzug – ganz edel. Der distinguierte „Signore“ mit den grauen Schläfen verkörpert als Vizepräsident und zehnprozentiger Aktionär die familiäre Kontinuität und Tradition im Hause. „Den Namen zu tragen ist eine große Verantwortung und schlicht eine Freude“, sagt Ferrari. „Schließlich haben wir nicht nur Kunden, wir haben Fans auf dem ganzen Globus.“

Man würde dem 56-Jährigen indes Unrecht tun, ihn ausschließlich als Sohn des „Commendatore“ zu betrachten. Denn Piero ist ein echter Ferrari, will heißen ein Vollbluttechniker und ein Unternehmer. „Morgens muss ich den Turbo spüren“, lächelt er bei der Frage, wie er seine unterschiedlichen Aktivitäten unter einen Hut bringt. Neben seinen Aufgaben im väterlichen Unternehmen ist Ferrari seit 1998 Präsident und Miteigentümer des kleinen, aber feinen Flugzeugherstellers Piaggio Aero Industries. Das traditionsreiche Unternehmen aus Genua baut Privatjets namens P180 Avanti. Einen Ferrari der Lüfte, der es mit jedem Düsenjet aufnehmen kann.

Als der Vater einer erwachsenen Tochter gemeinsam mit dem venezolanischen Geschäftsmann José di Mase vor fünf Jahren Piaggio Aero kaufte, stand das 1916 gegründete Traditionsunternehmen unter staatlicher Zwangsverwaltung, produzierte einen einzigen Flieger pro Jahr und war faktisch am Ende. „Wir aber haben an das Produkt – die P180 – geglaubt und an die große Geschichte der Firma.“ Mit Recht. 2003 wird Piaggio Aero 18 Flugzeuge herstellen, im kommenden Jahr sollen es nach Ferraris Plänen schon 22 bis 24 Maschinen sein. Und ein Gewinn soll auch dabei herauskommen. Die Perspektive des Unternehmens ist nach Ansicht von Experten durchaus realistisch. Seit die Sicherheitsbestimmungen auf den internationalen Flughäfen verschärft wurden, müssen sich dort auch Konzernchefs auf höhere Wartezeiten einstellen. Da lohnt es sich für den ein oder anderen, darüber nachzudenken, sich eine eigene Maschine zuzulegen. Branchenkenner prognostizieren, dass Privatjets ein Markt mit hohem Wachstumspotenzial sind.



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