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Neues aus der Burg

In der Familie von Finck gibt es seit ihrer Erhebung in den Adelsstand 1905 einen Schwur, der peinlich genau eingehalten wird: Die Öffentlichkeit erfährt nur, was sie erfahren soll.

ZÜRICH. So pflegte der selige August von Finck Nachfragen über die Erträge seines Bankhauses so zu beantworten: „Der Gewinn deckt die Lebensverhältnisse.“ Interna aus dem Familienleben gab es erst recht nicht. Basta. Wenn dann doch einmal etwas durch die dicken Burgmauern des Familiensitzes „Weinfelden“ im eidgenössischen Kanton Thurgau nach außen dringt, sorgt das in der Finanzwelt, wo die von Fincks ihre Milliarden bewegen, für ein Hallo.

Gestern war wieder so ein Tag: Luitpold von Finck, Enkel des verstorbenen August von Finck senior und Sohn des amtierenden Familienoberhaupts August von Finck junior, gibt bekannt oder, besser, lässt durch einen seiner Herolde bekannt geben, dass er die Restaurant- und Hotelkette Mövenpick vollständig übernehmen will. Der Herold ist in diesem Fall ein Sprecher der Carlton Holding mit Sitz im steuergünstigen schweizerischen Allschwil. Die Holding gehört Luitpold von Finck.

Der Sprecher bestätigt, dass der 35-jährige Von-Finck-Spross rund 25 Millionen Euro in die Hand nehmen will, um die gut zwölf Prozent des Aktienkapitals der Gourmet-Kette zu kaufen, die ihm noch nicht gehören. Anschließend soll sich Mövenpick von der Börse zurückziehen.

Wie weit diese Entscheidung durch den Familienrat gegangen ist, kann der Herold nicht sagen. Dass die Familie mit der Angelegenheit befasst war, geht aber schon aus dem Umstand hervor, dass die Carlton Holding nicht nur einen von Finck als Besitzer, sondern auch einen von Finck als Verwaltungsratspräsidenten hat: Francois heißt er mit Vornamen und ist der Bruder des Besitzers.

Warum er jetzt kauft? Der Patient Mövenpick ist wieder auf dem Wege der Besserung. Die Gruppe hat 2005 nach einer langen Durststrecke, in der die Manager so häufig wechselten wie die Strategien und Träume vom globalen Nahrungsmittelkonzern wie eine Kaugummiblase zerplatzten, wieder einen bescheidenen Gewinn erzielt. Peter Kalantzis, Verwaltungsratschef bei Mövenpick, beschrieb die Lage jüngst so: „Wir haben ein Etappenziel erreicht, aber es besteht kein Anlass zum Jubel.“

Vor zweieinhalb Jahren hatte Kalantzis allerdings noch weniger Grund zum Feiern: Damals hatte Mehrheitsaktionär von Finck durchgesetzt, dass Vermögenswerte der Mövenpick-Gruppe wie Immobilien und Wertpapiere im Höhe von knapp 200 Millionen Euro als „Sachdividende“ an den Großaktionär ausgeschüttet werden. „Von Finck hat Mövenpick ausgeplündert“, erinnerte sich gestern ein Analyst in Zürich an das, was nun längst Geschichte ist.

Die Burgherren ein Geschlecht von Plünderern? Wer wie August – genannt „Gustl“ – von Finck auf der Liste der Superreichen mit deutschen Wurzeln auf Platz neun rangiert, der hört diesen Vorwurf öfter und bleibt entsprechend gelassen. Ärgerlich ist es trotzdem, wenn die Anschuldigungen aus dem eigenen Hause kommen.

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