Profil: Rüdiger Grube
Zetsches Ausputzer

STUTTGART. Wäre Rüdiger Grube heute nicht mehr bei Daimler-Chrysler tätig – es würde niemand überraschen. Als enger Vertrauter von Ex-Chef Jürgen Schrempp galt er, ebenso wie Eckhard Cordes, der so gerne Daimler-Chrysler-Chef geworden wäre. Und als Schrempp gehen musste, rechneten alle damit, dass Nachfolger Dieter Zetsche die Gelegenheit nutzen würde, sich Grubes zu entledigen.

Denn Cordes und Grube – das waren nicht nur Erfüllungsgehilfen. Sie zählten zu den Architekten der Welt-AG und damit der Fusion mit Chrysler 1998. Entsprechend treu standen die beiden als Einzige beim entscheidenden Wendepunkt zu Schrempp.

Der wollte vor zwei Jahren unbedingt an Mitsubishi festhalten, während andere Vorstände wie Zetsche längst dagegen waren, bei der japanischen Beteiligung weitere Milliarden zu verpulvern und den Konzern dadurch möglicherweise in gefährliche Schieflage zu bringen. Als dann der vermeintliche Chrysler-Sanierer Zetsche das Rennen um die Nachfolge machte und Cordes den Konzern verließ, schienen auch Grubes Tage bei Daimler gezählt.

Denkste. Grube ist noch immer da – und dürfte bald einen zusätzlichen Posten bekommen: Verwaltungsratschef von EADS, Europas größtem Rüstungs- und Raumfahrtkonzern.

Denn wird Manfred Bischoff im kommenden Frühjahr Nachfolger von Hilmar Kopper an der Spitze des Aufsichtsrats von Daimler-Chrysler, dürfte er sich gleichzeitig aus dem Verwaltungsrat der Luftfahrt-Tochter von Daimler zurückziehen. Zumindest deutet derzeit alles auf dieses Szenario hin. Und dann gibt es eigentlich nur einen logischen Nachfolger: Grube. Erstaunliche Geschmeidigkeit habe der bewiesen, als sein Förderer Schrempp ging und von Zetsche abgelöst wurde.

Doch es war wohl nicht nur diese Flexibilität, die ihn im Amt hielt. Vielmehr braucht Dieter Zetsche Grube für den harten Job bei EADS, für diese undankbare Aufgabe, für die Zetsche selbst die Expertise und die Ambition fehlen.

Der reine Automann Zetsche hat mit der Luftfahrt – anders als Schrempp – nicht viel am Hut. Seine ersten Schritte zur Reduktion der Beteiligung auf 22,5 Prozent und seine Absicht, weitere 7,5 Prozent abzugeben, belegen das.

Doch solange Daimler mindestens zehn Prozent an der EADS behält, bestimmen die Stuttgarter mit, und es muss sich jemand ernsthaft kümmern. Auch, weil die Politik so genau hinschaut. Zumal nach dem Desaster beim Riesenflugzeug A380 erhebliche finanzielle Risiken für den Mutter-Konzern hinzugekommen sind.

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