Profil: Unternehmer an kurzer Leine

Profil
Unternehmer an kurzer Leine

Carsten Schloter wechselt an die Spitze von Swisscom. Viele Freiheiten wird er wohl nicht haben.

ZÜRICH. Ausgerechnet ein Deutscher. Und das auch noch an der Spitze eines Unternehmens, in dem der Schweizer Nationalstolz schon im Namen mitschwingt. Seit Freitag steht Carsten Schloter an der Spitze des Telekommunikationskonzerns Swisscom – ein Mann, der aus dem „großen Nachbarkanton“ stammt, gegen den die Eidgenossen eine immense Abneigung hegen. „Eine Fehlbesetzung“ titelte auch prompt Zürichs größte Tageszeitung, der „Tages-Anzeiger“.

Der 42-Jährige, der bislang die Mobilfunksparte des Unternehmens leitete, wird mit solchen Kommentaren wohl so umgehen, wie er immer mit Kritikern umgeht: Er reckt das spitze Kinn nach vorn, streicht sich kurz über die blonden Haare und fixiert mit blauen Augen den Angreifer. Dann antwortet er in sehr klar gegliederten Sätzen und versucht das ablehnende Urteil zu entkräften. Sätze, die so klingen wie von einem Schauspieler bei einer Theaterprobe abgelesen, die Schloter aber druckreif im Kopf hat. Wer den neuen Swisscom-Chef bei öffentlichen Auftritten erlebt, fühlt sich unweigerlich an einen Motivationstrainer erinnert: Schloter spricht beispielsweise über Gefühle, wo es um Geld, Zahlen und Macht geht. „Mir ist das Unternehmen ans Herz gewachsen“, sagte er am Freitag, als ihn sein Vorgänger Jens Alder öffentlich auf den Swisscom-Thron setzte.

Wer dem Strahlemann etwas abseits neugieriger Blicke begegnet, der lernt einen Technikfreak und begnadeten Verkäufer kennen. Als bisheriger Chef der Mobilfunksparte hat er dieses Doppeltalent erfolgreich eingesetzt: Er verpasste seinem Bereich technisch stets die neuesten Standards und lieferte sich gleichzeitig mit der Konkurrenz erbitterte Preisschlachten, die er meist für sich entschied. Unter seiner Führung verdoppelte Swisscom innerhalb von sechs Jahren die Anzahl derer, die ein „Natel“ haben, wie die Eidgenossen ihr Mobiltelefon liebevoll nennen.

Dabei ist der Deutsche ein unkomplizierter Typ geblieben, der die nötigsten Unterlagen lieber im Rucksack als im Aktenkoffer trägt, der in der französischsprachigen Schweiz genauso zu Hause ist wie in der deutschsprachigen und der beim herbstlichen Ausflug zu einem Genfer Weinbauern gerne über dessen neueste Kreationen und älteste Jahrgänge fachsimpelt. Doch das ist der private Schloter. In der Öffentlichkeit überwiegt ein anderes Bild. Und daher trifft auch auf ihn die Kritik zu, die häufig an Politikern genauso wie Managern geübt wird: Vielen mangelt es an Authentizität, dafür sind sie umso ehrgeiziger.

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