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Wiener Charme mit Power

Mit Maria-Elisabeth Schaeffler führt eine der mächtigsten und gleichzeitig verschwiegensten Unternehmerinnen Deutschlands den weltgrößten Wälzlagerkonzern.

HERZOGENAURACH. Sie tritt kaum in der Öffentlichkeit auf und gibt selten Interviews. Wer sie sprechen will, braucht Ausdauer. Eine E-Mail. Warten. Ein Telefonat. Warten. Eine E-Mail. Warten. So geht es eineinhalb Jahre lang. Dann. Tatsächlich. Es ist so weit: Sie will. Also auf nach Herzogenaurach. Nein, nicht zu Adidas oder Puma: zur Schaeffler-Gruppe, deren Gebäude sich auf einem Hang über dem fränkischen Städtchen ausbreiten.

Kaum hat der Besucher im Konferenzraum Platz genommen, stürmt sie herein. „Ich bin zu spät, obwohl ich doch ein pathologisch pünktlicher Mensch bin“, entschuldigt sich Maria-Elisabeth Schaeffler, als sie um kurz nach neun Uhr in den Raum eilt. Das also ist sie, eine der verschwiegensten und mächtigsten Unternehmerinnen Deutschlands: groß, elegant gekleidet.

Gleich steigt sie plaudernd ins Gespräch ein. „Unsere Produkte sind wenig bekannt. Man schenkt seiner Frau ja auch kein Wälzlager als Ohrring“, merkt sie in leichtem Wienerisch an. Und schon ist die Frau, die in der österreichischen Metropole aufwuchs und die mal Ärztin werden wollte, bei ihrem Lieblingsthema: der Schaeffler-Gruppe.

In nur wenigen Jahren hat sie durch die spektakuläre Übernahme von FAG Kugelfischer den neben dem schwedischen SKF-Konzern größten Wälzlager-Hersteller der Welt geschmiedet: mit den Marken Ina, Fag und Luk, mit 60 000 Mitarbeitern in 50 Ländern und rund 8 Milliarden Euro Umsatz, der in diesem Jahr „um mehr als fünf Prozent“ steigen soll. Ihre Produkte sorgen dafür, dass sich im Riesenrad London Eye, in Autos und Airbus-Jets alles reibungslos dreht.

Und Maria-Elisabeth Schaeffler treibt das Familienunternehmen weiter an, investiert dieses Jahr rund 700 Millionen Euro. In China baut sie ein Entwicklungszentrum und erweitert das Werk, ebenso in Indien. Aber gleichzeitig investiert sie einen dreistelligen Millionenbetrag in die deutschen Betriebe, wo noch fast die Hälfte des Personals arbeitet. „Wir haben als Familienunternehmen eine besondere Verantwortung auch gegenüber unseren Mitarbeitern in Deutschland“, sagt sie. Viele Leute im Herzogenauracher Werk kennt sie persönlich, spricht von der Ina-Familie und wohnt in Sichtweite der Zentrale („Das beruhigt mich“).

Maria-Elisabeth Schaeffler ist die Matriarchin. „Sie arbeitet für das Unternehmen mit Herzblut“, erkennt Gesamtbetriebsratschef Norbert Lenhard an. „Sie genießt im Unternehmen Respekt wegen ihrer Leistung.“

Vor zehn Jahren war das anders. „Da gab es eine Witwe, die keine Ahnung hatte, und einen Sohn, der in Amerika als Anwalt arbeitete“, erzählt sie auf ihre charmant-ironische Art. „Viele haben nur darauf gewartet, dass wir verkaufen.“ Damals, 1996, stirbt ihr Mann Georg Schaeffler, der mit seinem Bruder Wilhelm 1946 den Konzern gründete. Georg, der introvertierte Techniker, der mit dem berühmten Nadelkranz seinerzeit den Markt für Wälzlager revolutionierte. „Mein Mann hat mir vor seinem Tod gesagt: Führe das Unternehmen in die Zukunft.“ Also übernimmt seine 24 Jahre jüngere Frau, die mit ihrem Sohn Georg F. W. Schaeffler das Unternehmen erbt, die Verantwortung – eine schwere Bürde.

Sie hat zwar schon früh an allen Sitzungen teilgenommen. Trotzdem muss sie vieles erst lernen. Sie arbeitet fast rund um die Uhr, ruft abends Mitarbeiter zu sich nach Hause, stellt Tausende Fragen („Was ist denn ein Flügelzellenversteller?“) und bildet einen Beirat, dem damals auch der heutige Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg angehört.

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