Profil
Zottelbär auf Einkaufstour

Journalisten langweilen ihn. Sieht man sofort.

MADRID. Wie ein großer Zottelbär trottet Telefónica-Chef César Alierta zu Pressekonferenzen, droht einzuschlafen, quält sich, würde sich am liebsten die Augen reiben und kriegt kaum ein Wort heraus – selbst wenn er so sensationelle Dinge wie den Kauf des britischen Mobilfunkanbieters O2 anzukündigen und gute Zahlen vorzulegen hat wie heute die der ersten neun Monate 2005. „Wir wollen international weiter wachsen“, ist eine seiner typischen Phrasen aus dem Baukasten für Managergewäsch.

Der in Zaragoza in einer einflussreichen Familie groß gewordene Spanier glaubt nicht an großartige Visionen oder die neue bunte Medienwelt. Und erst recht glaubt er nicht an triumphierende Worte, sondern an Zahlen und das Geldverdienen mit dem Jonglieren derselbigen.

Doch das Spiel mit den Finanzen wurde dem Telefónica-Präsidenten vor drei Jahren zum Verhängnis, als man ihn des Insiderhandels anklagte. Alierta soll in seiner Funktion als Präsident des spanischen Tabakkonzerns Tabacalera 1997 seiner Frau und seinem Neffen Insiderinformationen gegeben haben. Gerade wurde diese Klage jedoch wieder fallen gelassen, da bereits fünf Jahre seit der möglichen Tat vergangen sind.

Jetzt hat der 60-Jährige den Kopf wieder frei für den wohl bisher wichtigsten Schritt seiner fünfjährigen Karriere bei Telefónica: den Kauf des britischen Mobilfunkanbieters O2. Das Angebot wird in wenigen Wochen den Aktionären unterbreitet.

Richtige Dynamik will bei dem Mann mit den braunen Kräusellöckchen trotzdem nicht aufkommen. „Wir werden durch diesen Kauf in so reife Märkte vordringen wie Großbritannien und Deutschland“, sagte er bei der Pressekonferenz am 31. Oktober, einer der wenigen öffentlichen Akte von Telefónica.

Gerade Deutschland bereitet ihm noch etwas Kopfschmerzen. Hier ist er vor einigen Jahren mit der eigenen Mobilfunkmarke Quam jämmerlich gescheitert. Deswegen wagt er jetzt eine neue Strategie: „Diesmal werden wir dort nicht unter dem Namen Telefónica auftreten, die Marke O2 bleibt bestehen.“

Enorme Schulden kommen trotzdem auf ihn zu. Noch stimmen die Zahlen, auch das Neunmonatsergebnis ist positiv. Aber mit den 26 Milliarden Euro, die Alierta für den britischen Mobilfunkanbieter O2 auf den Tisch legen müsste, steigen die Schulden bei Telefónica in schon lange nicht mehr da gewesene Höhen. Raymond Hill von der internationalen Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Konzerns nach dem Angebot für O2 erst einmal heruntergestuft: „Das Management wird mit diesen Belastungen kurz- und mittelfristig seine Rentabilitätsziele nicht mehr erreichen können.“

Seite 1:

Zottelbär auf Einkaufstour

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%