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Zu früh gepokert

Fulvio Conti will in Europa zukaufen. Doch bei den großen Übernahmen in Frankreich und Spanien hat der Chef des italienischen Energiekonzerns Enel schlechte Karten.

MAILAND. Bei Fulvio Conti ist es keine abgedroschene Metapher, wenn man sagt, dass er früher kleine Brötchen gebacken hat. Denn der Vorstandsvorsitzende des italienischen Stromkonzerns Enel hat als junger Mann in einer Bäckerei gearbeitet, um sich das Taschengeld und später das Wirtschaftsstudium zu finanzieren. Im Gegensatz zu vielen Top-Managern Italiens stammt der gebürtige Römer nicht aus einer der einflussreichen Familien der Hauptstadt, sondern aus einfachen Verhältnissen.

Im vergangenen Mai ist der heute 58-jährige Conti durch den überra-schenden Wechsel des damaligen Enel-Chefs Paolo Scaroni zum Ölkonzern Eni an die Spitze aufgestiegen. Zuvor war Conti als Finanzvorstand des drittgrößten börsennotierten Stromkonzerns in Europa mit Sitz in Rom vor allem für die Zahlen zuständig. Die große Strategie lag in Scaronis Hand. Nun aber muss Conti grundlegende Entscheidungen zur Expansion des Unternehmens treffen.

Noch im Juni des vergangenen Jahres hat er sich in einem Interview mit der italienischen Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ als „Mann der Kontinuität“ bezeichnet. Doch die jüngsten Ereignisse deuten darauf hin, dass es mit der Kontinuität nicht allzu weit her ist. In den vergangenen Wochen hat der Enel-Chef gleich zwei Mal beim Übernahmepoker im europäischen Energiemarkt mitgemischt – oder das zumindest angekündigt. Nun sieht es so aus, als sei er der Verlierer im Milliardenspiel.

In Spanien hat Anfang der vergangenen Woche die deutsche Eon ein Angebot für den Versorger Endesa vorgelegt und damit Zukaufspläne von Conti durchkreuzt. Denn Enel hatte auf die Übernahme von Endesa durch den spanischen Konkurrenten Gas Natural spekuliert und wollte jene Unternehmensteile kaufen, die Gas Natural aus Wettbewerbsgründen hätte abgeben müssen. Als Reaktion auf das Eon-Gebot erwägt Conti nun, sich an einem möglichen zweiten Angebot von Gas Natural für Endesa zu beteiligen.

In Frankreich signalisierte Conti Interesse am Versorger Suez, wurde aber am Wochenende von einem Angebot der französischen Gaz de France (GdF) überrascht. Da Frankreichs Regierung die GdF-Suez-Fusion unterstützt, gilt ein Gegenangebot von Enel für Suez in Unternehmenskreisen als unwahrscheinlich.

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