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Zu leise für die laute City

Meist macht er sich rar. Am Donnerstag muss Shell-Boss Sir Philip Watts aber die Bilanz vorlegen und einige Patzer ausräumen.

LONDON. Heute muss er einfach da sein. Nicht so wie vor zwei Wochen, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort blieb der für den Royal-Dutch/Shell-Chef bereits auf dem Podium reservierte Stuhl einfach leer.

Oder Anfang Januar, als der Ölkonzern mit einer Korrektur seiner Reserven die Anlegerwelt schockte und der Börsenwert des Konzerns an einem Tag um acht Milliarden Pfund absackte. Was aber in der Finanzszene gar nicht gut ankam, war vor allem, dass Sir Philip Watts es seinem Management überließ, die Schreckensbotschaft zu überbringen. „Wo ist Watts?“ hieß die Frage des Tages. „Aus Sicherheitsgründen“ dürfe sein Aufenthaltsort nicht mitgeteilt werden, teilte Shell mit.

Investoren nennen dies eine „atemberaubende Arroganz“. Und ihnen saß der Ärger noch frisch in den Knochen. Erst vor wenigen Monaten hatte es bei Shell einen Aktionärsaufstand wegen der satten Bezüge des Konzernchefs gegeben. Watts, der mit knapp zwei Millionen Pfund (inklusive Bonus und Optionen) im Jahr keineswegs zu den britischen Topverdienern zählt, hatte sich dem Protest auch da nicht gestellt – er saß ihn einfach aus.

Doch am heutigen Donnerstag gibt es kein Verstecken mehr. Die Vorlage der Bilanz in London dürfte für Watts zur schwersten Präsentation seines Berufslebens werden. An dem Auftritt – und den Reaktionen der Fondsmanager – könnte die berufliche Zukunft des studierten Physikers aus Leicestershire hängen. Obwohl sein Vertrag nur noch 18 Monate läuft, haben nach der Reserven-Panne Anleger den Rücktritt des 58-Jährigen gefordert.

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