Prognosen-Check
Welche Unternehmen die Anleger enttäuschten

Scheinbar haben fast alle Dax-Konzerne ihre Erwartungen für 2013 erfüllt. Doch eine Studie zeigt: Fast die Hälfte gab keine belastbare Prognose ab, viele waren ungenau. Die Transparenz bleibt immer mehr auf der Strecke.
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Düsseldorf/FrankfurtWie gut manche Prognose ist, zeigte sich erst am Montagabend einmal wieder: Da musste Roland Koch eingestehen, dass es mit einem Gewinnzuwachs bei Bilfinger nichts wird. Im Gegenteil: Der bereinigte Gewinn (Ebita) des Bau- und Dienstleistungskonzern werde unter den 419 Millionen Euro aus dem Geschäftsjahr 2013 liegen. Die Anleger reagierten entsetzt auf die Ankündigung des Vorstandschef: Der Kurs des MDax-Unternehmens rauschte um bis zu 17 Prozent in den Keller und erreichte ein Zwölf-Monats-Tief.

Wie genau oder ungenau die Konzerne mit ihren Prognosen sind, haben jetzt die Anlegerschützer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Beratungsgesellschaft Kirchhoff Consult untersucht. In ihrer am Freitag vorgestellten Studie haben sie die Geschäftsberichte der Dax-30-Konzerne aus dem Jahr 2013 genau unter die Lupe genommen.

Das zunächst positive Ergebnis: Die Erwartungen, die die Unternehmen in ihren Berichten ein Jahr zuvor geäußert hatten, wurden größtenteils erfüllt. Von den 17 Konzernen, die in ihren Geschäftsberichten 2012 eine Prognose abgegeben hatten, erfüllten elf ihre selbst aufgestellten Erwartungen, mit Adidas, Allianz, Henkel und Munich Re übertrafen vier sie sogar. Einzig der Pharma- und Chemiekonzern Bayer und der Industriekonzern Siemens rissen ihre Prognose.

Ärgerlich aus Sicht der Anleger ist jedoch: 13 Konzerne haben ihre Erwartungen erst gar nicht in Zahlen ausgedrückt. „Für die Aktionäre sind Fehlprognosen in der Regel eine äußerst kostspielige Angelegenheit“, wagte DSW-Präsident Ulrich Hocker bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt eine Begründung, warum viele Konzerne auf Prognose verzichteten. „Kurse reagieren nun einmal empfindlich, wenn geweckte Erwartungen nicht erfüllt werden“, sagte er laut Redemanuskript. Die Prognosen der Konzerne seien zudem einfach sehr konservativ, meinen die Autoren. Auch das hilft dabei, die Erwartungen zu erfüllen.

Bei ihren Prognosen werden die Unternehmen zudem immer einfallsreicher. Denn die meisten wollen sich nicht auf eine genaue Zahl festlegen. Das zeigt sich auch in den aktuellen Geschäftsberichten 2013: Nur vier von mittlerweile 19 Dax-Konzernen mit quantitativen Angaben wagten beim Gewinn für das laufende Geschäftsjahr eine Punktprognose. Die Unternehmen setzen hingegen auf Prognosekorridore, zehn Mal wurde ausschließlich qualitative Tendenzen angegeben, schreiben die Autoren von DSW und Kirchhoff Consult.

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