Protest gegen die Übernahme
Holtzbrinck verlässt Vorstand von Dow Jones

Der Verleger Dieter von Holtzbrinck hat das Führungsgremium des US-Medienkonzerns Dow Jones verlassen, um gegen die Übernahme durch Rupert Murdoch zu protestieren. Holtzbrinck gab den Rücktritt in einem Brief an das Gremium bekannt, nachdem dieses sich mehrheitlich für das Übernahmeangebot von Murdochs News Corp. ausgesprochen hatte.

HB NEW YORK. Der deutsche Verleger Dieter von Holtzbrinck ist aus dem Vorstand des US-Verlags Dow Jones zurückgetreten. Holtzbrinck begründete seinen Schritt schriftlich mit Bedenken, ein von seinen Vorstandskollegen unterstütztes Übernahmeangebot der News Corp. von Rupert Murdoch würde der journalistischen Qualität der Wirtschaftszeitung „The Wall Street Journal“ langfristig schaden. Das Schreiben wurde am Donnerstag in New York veröffentlicht.

Der 73-jährige Medienmogul Murdoch will mit dem Erwerb der renommierten Zeitung sein Lebenswerk krönen. Im Dow-Jones-Vorstand und den Hauptanteilseignern, der Bancroft-Familie, hat sein Kaufangebot für fünf Milliarden Dollar (3,62 Milliarden Euro) heftige Konflikte ausgelöst. Holtzbrinck enthielt sich bei der Abstimmung über das Angebot zusammen mit Leslie Hill von der Bancroft-Familie der Stimme. Christopher Bancroft, ein weiteres Familienmitglied im Vorstand, verließ Medienberichten zufolge vorzeitig die Sitzung, auf der das Gremium Murdochs Angebot grundsätzlich billigte.

Holtzbrinck schrieb in seinem vom Vorstand veröffentlichten Rücktrittschreiben, er könne nicht beweisen, dass er mit seinen Bedenken gegen Murdochs News Corp. richtig liege. „Ich kann nur auf die die Geschäftspraktiken der News Corp in der Vergangenheit, nur auf Jim Ottaways Artikel im „Journal' hinweisen. Ich glaube nicht, dass ein „Sonderkomitee" Murdoch davon abhalten kann zu tun, was er will, auf seine Art zu agieren.“

Ein Sonderkomitee soll die journalistische Qualität des „Journals“ und Personalfragen überwachen. Das frühere Vorstandsmitglied Jim Ottaway besitzt mit seinem Bruder David sieben Prozent der Anteile, die Bancroft-Familie hat durch Sonderaktien einen Stimmenanteil von 64 Prozent. Sie will vermutlich am kommenden Montag über Murdochs Angebot entscheiden, das Aktionären mit 60 Dollar das Doppelte des Aktienpreises bietet, der vor seinem im Mai erfolgten Angebot im Mai an der Börse gehandelt wurde.

Der Dow-Jones-Vorstandsvorsitzende Peter McPherson sagte in einer schriftlichen Reaktion, der Vorstand nehme Holtzbrincks Rücktritt mit Bedauern an. Holtzbrinck gehörte dem Gremium seit 2001 an. Zum Holtzbrinck-Verlag gehört auch die Verlagsgruppe Handelsblatt.

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