Prozess: Die Abrechnung im Fall Enron

Prozess
Die Abrechnung im Fall Enron

Es hat sich nichts geändert an ihrem Auftreten. Auch vor Gericht ist Ken Lay noch charmant wie eh und je, wechselt in der Pause ein paar Worte mit den Journalisten und fühlt sich sogar zu einem kleinen Scherz aufgelegt: "Sie müssen aufpassen, dass man Sie nicht auch noch wegen Verschwörung anklagt", sagt er im Vorbeigehen zu zwei aufgeregt murmelnden Fernsehreportern in einer Ecke des Gerichtssaals.

HOUSTON. Jeff Skilling dagegen hat eine finstere Miene aufgesetzt und würdigt das Publikum kaum eines Blicks. "Ganz wie in alten Tagen", sagt ein Zuschauer.

Ken Lay und Jeffrey Skilling waren die beiden letzten Chefs des Skandalkonzerns Enron, der seit seiner Pleite im Dezember 2001 in der Öffentlichkeit für Managerexzesse, Gier und Korruption steht. Am Montag hat der Prozess gegen Lay und Skilling begonnen - eines der bedeutendsten Gerichtsverfahren in Amerikas Wirtschaftsgeschichte.

Dem 63-jährigen Lay werden sieben Vergehen zur Last gelegt, darunter Verschwörung und Betrug. Lay leitete Enron 15 Jahre lang, bevor er den Chefsessel für seinen Nachfolger Skilling räumte. Der 52-Jährige sieht eine Anklage in gleich 31 Punkten auf sich zukommen, die ebenfalls die Vorwürfe der Verschwörung und des Betruges umfasst, aber auch den des Insiderhandels. Beiden droht im schlimmsten Fall lebenslange Haft.

Für ihre Verteidigung ist deshalb das Beste gerade genug. Schätzungen zufolge hatten sich die beiden ihre Anwaltsteams bereits mehr als 40 Millionen Dollar kosten lassen, noch bevor die offizielle Anklageschrift ausgeliefert war. Lays Hauptverteidiger Mike Ramsey ist eine Berühmtheit weit über Houstons Gerichtssäle hinaus. In rund 40 Berufsjahren hat er zahlreiche Prozesse gewonnen - zuletzt das Gerichtsverfahren gegen den wegen Mordes angeklagten New Yorker Milliardär Robert Durst.

Einer seiner dankbaren Klienten diktierte vor Jahren der Presse in den Block, er habe "die beiden besten Verteidiger der Welt auf seiner Seite gehabt: Gott und Mike Ramsey". Worauf Ramsey witzelte: "Sie hätten mal sehen sollen, in was für einer Verfassung der Fall war, als Gott ihn noch allein bearbeitete."

Skillings Hauptverteidiger Daniel Petrocelli machte sich unterdessen in der Regenbogenpresse unsterblich, als er Mitte der 90er bei dem Zivilprozess gegen Footballstar O. J. Simpson die Familie des getöteten Ron Goldman vertrat.

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